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Vom Mühlviertel bis in die New Yorker Park Avenue

Von Julia Urbanek

Wirtschaft
Edles Leinen für 40 Länder dieser Welt: Das Warenlager der Weberei Leitner. Foto: Leitner

Edle Bett- und Tischwäsche als Exportschlager. | "Wir waren immer die modernste Weberei." | Ulrichsberg. Noch vor 40 Jahren waren Webereien im oberen Mühlviertel nichts Besonderes, im Gegenteil. Das Leinenweben hat hier, nahe der tschechischen Grenze, eine große Tradition. Diese musste in den vergangenen Jahrzehnten aber vielfach der ökonomischen Realität weichen, heute gibt es nur mehr wenige Betriebe in der Region. Und ein Aushängeschild: "Leitner" steht auf dem strahlendweißen Fabriksgebäude mitten auf der grünen Wiese.


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Seit 1853 werden hier in Ulrichsberg im Bezirk Rohrbach Stoffe gewoben, mittlerweile exportiert das Familienunternehmen in 40 Länder. Die edle Bett- und Tischwäsche, die hier von 36 Mitarbeitern gewebt und genäht wird, wird auf der New Yorker Park Avenue, in London und Paris verkauft. Ein Luxushotel in der Provence hat seine gesamte Wäsche auf Leitner umgestellt, auch das Armani Hotel in Dubai wurde von der Weberei beliefert, hier hat Leitner auch gerade eine Yacht ausgestattet.

In Österreich sind es Restaurants wie das Steirereck in Wien oder Johanna Maiers Hubertus, die ihre Tische mit Leitner decken. Was hat Friedrich Leitner, der den Betrieb 1986 in 5. Generation übernommen hat, anders gemacht als die anderen Webereien in der Umgebung? "Wir haben im Unterschied zu vielen anderen immer viel Geld investiert. Wir waren immer die modernste Weberei", erklärt Leitner. "Das Wesentlichste war aber, dass wir uns vom traditionellen Mühlviertel entfernt haben. Der Großteil der zig Webereien hier hat traditionell weitergearbeitet und ist mit dem Strom geschwommen."

Waffelmuster alsMarkenzeichen

Friedrich Leitner ist ein Quereinsteiger. Er hätte zunächst das familieneigene Sägewerk übernehmen sollen, das später geschlossen wurde und brachte einen betriebswirtschaftlichen Zugang in die Weberei: "Als ich angefangen habe, habe ich zuerst die Organisation gestrafft, das Personal angepasst und mit Piquet angefangen." Das Waffelmuster Piquet wurde zum Leitner-Markenzeichen.

Anfang der 90er Jahre entwickelte Leitner mit der Designerin Monika Kinzebach die erste Kollektion "Greenland" mit Tisch- und Bettwäsche. "Unsere Kollektion hat Furore gemacht", sagt Leitner, 1995 folgte die Kollektion "Leitner". "Die Leute haben auf den Messen nicht einmal nach dem Preis gefragt." Im gleichen Jahr brach der Piquet-Absatz weg, "dieser Markt ist kaputtgemacht worden, Piquet wurde aus Türkei, Pakistan und Portugal zu niedrigen Preisen importiert". Heute setzt Leitner wieder auf hochwertige, hochpreisige Produkte aus Leinen in klassischen Mustern: "Ich bezeichne das Leinen als Nische in der Nische. Es ist teuer, war immer teuer. Das Leinen aus dem Flachs zu gewinnen, ist sehr aufwendig, und es ist schwer zu verarbeiten." Das Flachs für Leitner kommt aus Belgien und Frankreich, gesponnen wird es in Ungarn - "es gibt nur mehr fünf Leinenspinnereien in Europa".

Leitner, der 2009 als österreichisches Textilunternehmen des Jahres ausgezeichnet wurde, webt auf drei Meter breiten Jacquard-Webstühlen - für die breiten Betten in den Exportländern USA, Frankreich und Italien.

Krise zeigte ihreWirkung

"Wenn man sich als kleine Firma auf diese Spielwiese begibt, muss alles perfekt sein. Man muss seinem Stil treu bleiben, jeder Ausbruch wird kritisch beobachtet", erklärt der Firmenchef. Die Krise zeigte auch beim Leinen ihre Wirkung: In den USA - vor 2008 Leitners zweitstärkster Markt nach Deutschland - "habe ich in zwei Jahren knapp die Hälfte meines Umsatzes verloren", sagt Leitner. Der europäische Markt sei kaum noch steigerungsfähig, auch in den Emiraten "tun wir uns jetzt schwer." Zurzeit knüpft Leitner Kontakte nach China und Russland, aber "unsere Ware ist nicht das, was beim Russen momentan in ist".

Auch in seinem Fabriksverkauf in Ulrichsberg merkt Leitner, dass sich die Zeiten geändert haben: "Man kauft heute viel bewusster ein, das Geld sitzt nicht mehr so locker." Die Kurve zeigt nun aber wieder nach oben. 2008 betrug der Umsatz 3,5 Millionen Euro, 2009 gab es ein Minus um 15 Prozent. Heuer liegt Leitner bei einem Plus von 20 bis 15 Prozent.