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Vom Sängerknaben zum Präsidenten

Von Ina Weber

Politik

Chef der Wiener Sängerknaben Gerald Wirth bleibt auch künstlerischer Leiter.


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Wien. Er soll gut mit Kindern umgehen können und respektiere sie. Das ist ein Grund, warum Gerald Wirth am Dienstag zum neuen Präsidenten der Wiener Sängerknaben gewählt wurde. Darüber hinaus ist er seit zwölf Jahren künstlerischer Leiter und als solcher in der Kulturszene vernetzt. Und: Er war einst selbst ein Sängerknabe.

Verhandlungen

mit dem Bund laufen

Damit scheinen die Sängerknaben positiv in die Zukunft sehen zu können. Eine Zukunft, die vor ein paar Wochen noch alles andere als rosig aussah. Nachdem der Rechnungshof dem gemeinnützigen Verein "versteckte Subvention" bescheinigte, verlangte die Burghauptmannschaft, welche die Verwaltung öffentlicher Gebäude innehat, im April eine Jahresmiete von 200.000 Euro. Der Verein, der bis dahin gratis im Palais Augarten residieren konnte, schlug Alarm und verkündete den bevorstehenden Bankrott. Im Zuge anschließender Verhandlungen mit dem Bund wurde erreicht, dass die Sängerknaben weiter im Augarten-Palais bleiben können und auch keine Miete zahlen müssen. Die Details zur Vereinbarung werden derzeit ausgearbeitet. "Das ist schon in einer sehr guten Phase", sagte Präsident Wirth am Dienstag und bedankte sich bei seinem Vorgänger Walter Nettig, der mit August sein Amt niederlegte.

Ein zu zahlender Mietzins oder ein Umzug ist damit nicht eingetroffen, allerdings schrammt der Verein jährlich an seine finanziellen Grenzen. Er unterhält eine private Volksschule, die seit 1998 auch Mädchen besuchen dürfen und ein privates Realgymnasium. Im Dezember 2012 eröffnete er seine neue Auftrittshalle "MuTH".

Seit 1924 haben sich die Sängerknaben, die es seit rund 500 Jahren gibt, ausschließlich durch Konzert- und Auftrittsgagen sowie Einnahmen aus Tonaufnahmen und Tantiemen finanziert. In den 1990er Jahren lagen die Einnahmen bei 80 Prozent des laufenden Budgets. Dies sei seit dem Krisen-Jahr 2008 nicht mehr möglich. Stagnierende Gagen, rückläufige Tantiemen und Konzertabsagen, wie eine Tournee mit 50 Konzerten in Japan in Folge der Katastrophe von Fukushima, ließen die Einnahmen auf 60 Prozent des Budgets sinken. "Wir brauchen 2,8 Millionen Euro für den laufenden Betrieb. Rund 1,2 Millionen Euro müssen wir jedes Jahr von Neuem aufstellen, mit Hilfe von Sponsoren und Mäzenen. Das gelingt leider nicht immer", hieß es.

Keine großen Planänderungen

Große Planänderungen hat der neue Chef nicht vor. "International gesehen sind uns die Tourneen sehr wichtig, auch in Zukunft", erklärte er. Wobei dabei der pädagogische Aspekt wichtig werde: "Wir werden unsere Tourneen nicht nur im traditionellen Sinn machen, indem wir die Länder bereisen und in den wunderbaren Konzertsälen auftreten und dann wieder weg sind. Sondern es wird auch eine Zusammenarbeit mit Musiklehrern, lokalen Chorleitern sowie Kindern geben."

Eine Ausbildungsstätte sollen die Sängerknaben laut Wirth vor allem sein. Künstlerisch wird der neue Konzertsaal weiter im Mittelpunkt stehen. Die Sängerknaben sollen auch musiktheatralische Erfahrung bekommen.

Wirth bleibt künstlerischer Leiter. Damit er beide Posten auch schafft, wird die Stelle des künstlerischen Assistenten nach Jahren nun auch wieder besetzt.