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Vom Soweto-Kind zum Chef von Afrikas größter Bank

Von Alexander U. Mathé

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Sim Tshabalala ist Geschäftsführer der Standard Bank Gruppe.


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Sim Tshabalala ist seit Mitte September der alleinige Chef der südafrikanischen Standard Bank Gruppe. Damit lenkt er die Geschicke der größten Bank Afrikas mit einer Bilanzsumme von 121 Milliarden Euro. Neben seinen persönlichen Fähigkeiten und den wirtschaftsstrategischen Aspekten, die für diese Entscheidung ausschlaggebend waren, gibt es auch eine politische Komponente. Tshabalala ist nämlich der erste Schwarze, der bei der Standard Bank - beziehungsweise aktuell überhaupt bei einer südafrikanischen Großbank - alleiniger Geschäftsführer ist. Für viele ist der 49-Jährige somit ein Symbol dafür, dass 23 Jahre nach dem Ende der Apartheid allmählich die Zeit der Etablierung jener Generationen gekommen ist, die ein Leben ohne Rassentrennung und Ausschluss von bestimmten Ämtern führen konnten - und können. Wobei Tshabalala seine Ausbildung noch unter dem alten System durchlief. Sein Vater, ein Backhendlverkäufer aus dem Township Soweto, kratzte alles Geld zusammen, um den Buben auf eine katholische Privatschule zu schicken. Das machte Tshabalala zum doppelten Außenseiter, wie er später erzählte. In der Schule war er eines von einer Handvoll schwarzer Kinder. Zurück in Soweto wiederum war er der privilegierte Besucher einer Schule, an der sonst nur Weiße waren. Tshabalala studierte Jus und arbeitete in einer Anwaltskanzlei. Doch als 1994 das Apartheidssystem in Südafrika zusammenbrach, verspürte er den Ruf der Wirtschaft, wechselte zu einem Finanzdienstleister und hantelte sich von dort weiter zur Standardbank, deren alleiniger Geschäftsführer er jetzt ist. Südafrikas Finanzminister Malusi Gigaba erklärte, dass diese Ernennung "ein Schritt in die richtige Richtung" sei. "Das ist wahrhaftig eine Bestätigung der Fähigkeiten schwarzer Akademiker", so der Politiker. Eigentlich ist Tshabalala ja schon seit 2013 Geschäftsführer der Standard Bank. Allerdings musste er sich diese Position eben bis vor kurzem noch mit einem Zweiten teilen. Tshabalala zur Seite stand Ben Kruger (ein Weißer). "Die höchsten Führungsetagen reflektieren die Geschichte der Apartheid", sagte Tshabalala noch vor zwei Jahren in einem Interview mit der "Financial Times". Die Entscheidung Tshabalala zum Alleinherrscher zu machen, hängt allerdings weniger mit der Überlegung, Schwarzen den Rücken zu stärken zusammen, als vielmehr mit der neuen Strategie der Bank. Diese hat sich nämlich zunehmend aus dem internationalen Geschäft zurückgezogen und Anteile in Argentinien, Russland, der Türkei und Großbritannien verkauft. Nun liegt der Fokus auf Afrika und dafür ist Tshabalala der perfekte Mann, hat er doch bereits vor zehn Jahren das Afrika-Geschäft der Bank geleitet.