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Vom Wettsünder zum Quotenbringer

Von Tamara Arthofer

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Tamara Arthofer
Tamara Arthofer leitet das Sportressort der "Wiener Zeitung".

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Fleetwood Town ist jetzt nicht unbedingt ein großer Name im englischen Fußball - einen solchen hat sich der Verein, der aktuell in der drittklassigen League One spielt, nun aber als Trainer gesichert. Das Problem ist nur: Joey Barton hat sich den seinen nicht (alleine) durch seine fußballerischen oder Coaching-Fähigkeiten gemacht, sondern vor allem durch ein langes Sündenregister abseits des grünen Rasens. Einmal drückte er einem Jugendspieler eine Zigarre ins Auge, einmal prügelte er sich mit einem Teamkollegen, einmal musste er wegen Körperverletzung einer Passantin ins Gefängnis. Aktuell ist er von allen Aktivitäten im Fußball ausgeschlossen, weil er im Vorjahr zugegeben hatte, wegen seiner Spielsucht über einen Zeitraum von zehn Jahren hinweg verbotenerweise 1200 Wetten auf Fußballspiele - darunter auch gegen das eigene Team, wenn er nicht im Kader war - platziert zu haben. Hätten ihm die Disziplinlosigkeiten nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht, womöglich wäre aus dem durchaus vielversprechenden Mittelfeldspieler ein erfolgreicherer Spieler geworden. So aber geht Barton, 35 Jahre alt und zuletzt vorwiegend auf Twitter aktiv, nun neue Wege. Dass ihm Fleetwood die Chance dazu gibt, ist die eine Sache und freilich legitim. Dass aber Vereinschef Andy Pilley, ein langjähriger Freund des laut eigenen Angaben geläuterten Barton, das (Dreijahres-)Engagement eines Mannes ohne Trainererfahrung, dafür mit zweifelhafter Vorbildwirkung mit einer derartigen Euphorie verkündet, als hätte man soeben die Champions League gewonnen ("Eine großartige Verpflichtung. Er hat das Zeug dazu, einer der besten Trainer der neuen Generation zu werden"), lässt vor allem eine Wette zu: Dass sich die Großartigkeit der Meldung auf ihre PR-Wirksamkeit bezieht.