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Wenn Sie dieser Tage wieder einmal im Stau stehen und sich unübersehbar Autodach an Autodach reiht - dann denken Sie an Henry Ford I. Der ist nämlich schuld. Er war es, der die Vision, jeder sollte sich ein Auto leisten können, mit einer Revolution der Produktionstechnik in die Praxis umsetzte. Konsequenterweise ist er vom US-Magazin "Fortune" zum "Unternehmer des 20. Jahrhunderts" gewählt worden - nicht für die Erfindung des Autos, die ihm fälschlich auch von manchen zugeschrieben wird, sondern für die Erfindung des "Automobil-Business". Sein legendärstes Produkt, das Modell T, von den Kunden liebevoll "Tin-Lizzy (Blechliesl) gennant - wählte man zum "Auto des Jahrhunderts". Am 16. Juni 1903 gründete Henry Ford in Detroit die Ford Motor Company - mit 28.000 Dollar Bargeld von zwölf Investoren, unter ihnen ein Kohlenhändler, ein Bankkaufmann und zwei Brüder, denen die Maschinenhalle zur Herstellung der Motoren gehörte. 100 Jahre und bald 300 Millionen produzierte Fahrzeuge später, nach der Rückbesinnung auf alte Tugenden, steht sie mit weltweit 354.000 Mitarbeitern - davon über 60.000 in Europa - jünger da als je zuvor. Und zur Geburtstagsfeier gewann Markko Märtin auf Ford Focus WRC am Wochenende wieder einen Rallye-Weltmeisterschaftslauf . . .
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Unter den unzähligen Meilensteinen der 100jährigen Company auf wirtschaftlichem, technischem und sportlichem Gebiet - von der Einführung des Fließbands über zahlreiche "Firsts" im Sicherheitsbereich bis zu mehrmaligen Weltmeisterschaftstiteln in der Formel 1 (auch der bittere, posthume Jochen Rindts, sein Lotus wurde von einem Ford-Motor angetrieben) sind wohl diese zwei die markantesten auf dem Weg zur massenmotorisierten Gesellschaft im "Jahrhundert des Automobils":
Als am 10. Dezember 1915 das 1.000.000ste Model T vom Band rollte, war Ford der erste Hersteller, der jemals eine Million Stück eines Modells oder Gegenstandes produziert hatte. Und 1921 war Ford ebenfalls der erste Hersteller, der die Grenze von einer Million produzierten Stück pro Jahr überschritt. In diesem Jahr wurden 1.003.054 Model Ts in den Werken in Nordamerika und England hergestellt.
Als Ford 1927 die Produktion des Model T einstellte, hatte das Unternehmen circa 16 Millionen Fahrzeuge produziert. Obwohl dieser Rekord später vom VW Käfer eingestellt wurde - mehr als 21,5 Millionen Stück dieses Autos wurden insgesamt aber über einen viel längeren Zeitraum hergestellt, erst heuer im Juli soll für die Produktion in Mexiko endgültig das Aus kommen - gibt es noch einige Spitzenwerte, in denen das Model T unübertroffen ist. Kein Auto hatte jemals mehr Anteil an den weltweit zugelassenen Fahrzeugen als das Model T mit 56,5% im Jahr 1921. Unübertroffen sind auch die 50,4 Prozent der weltweiten Autoproduktion im Jahr 1918, als von insgesamt 1.275.324 in der Welt hergestellten Fahrzeugen 642.750 Model Ts waren.
Henry Fords berühmter Satz "Jeder Kunde kann sein Auto in jeder gewünschten Farbe bekommen, solange diese Farbe schwarz ist" ist ein Nebenprodukt der Beschleunigung der Produktion durch die Einführung der Fertigungsstrasse im Jahre 1914. Die Autos wurden so schnell produziert, dass die einzige erhältliche Farbe, die schnell genug trocknen konnte ein schwarzes Japan Email war. Bevor Ford die Fertigungsstraße einführte gab es die Wagen von Ford in einer breiten Auswahl an Farben, genauso wie nach 1926 als die Technologie im Bereich der Farbenproduktion endlich den Vorsprung der Automobilproduktion aufgeholt hatte.
Auch "Just-in-time" oder "schlanke" Produktion sind die heute Modewörter für gesteigerte Effizienz. Das Konzept dahinter aber geht ebenfalls auf Henry Ford und das Model T zurück. Im Jahr 1924 rühmte sich Ford damit, dass eine Bootsladung Eisenerz, die in "Rouge Plant" montags um 08:00 Uhr früh ankommt, am Mittwoch um 09:00 Uhr vormittags ein vollständiges Fahrzeug sei, das zu Mittag bereits beim Händler zu bewundern sei - "die Umwandlung von Rohstoffen in Cash in ungefähr 33 Stunden". Der Ausdruck "Massenproduktion" wurde erstmalig in einem Artikel über Henry Ford in der dreizehnten Ausgabe der Encyclopaedia Britannica verwendet. Runde 20 Jahre später erfand ein Fordmitarbeiter das Wort "Automation".
Tempo, Tempo: Die kürzeste Zeitspanne von der Entwicklung bis zur Produktion eines Fahrzeuges waren die weniger als vier Monate, die Henry Ford benötigte, um seinen revolutionären V8 auf den Markt zu bringen. Der Startschuss wurde im Dezember 1931 geben und am 31. März 1932 konnte das Auto erworben werden - und die Jagd au immer mehr Leistung war eröffnet.
Das erste für Europa entwickelte Auto, des 933cc Model Y, entstand ebenfalls zu dieser Zeit. Im Oktober 1931 noch ein weißes Blatt Papier, konnte er im Februar 1932 in Europa schon als Prototyp bewundert werden und ging im August des gleichen Jahres in Produktion.
Über die Jahre hinweg hat Ford viele Möglichkeiten des Kaufs von berühmten Autoherstellern geprüft, es gab es zahlreiche Kandidaten die in Erwägung gezogen wurden, ohne schlussendlich eine Übereinstimmung der Konditionen zu erreichen. Im Jahr 1948 gab Ford den Aufkauf von Volkswagen auf, entmutigt durch die komplexen Eigentumsstrukturen. Gerüchte über eine Volkswagen-Übernahme durch Ford waren auch in den 90er-Jahren fallweise zu hören. der Jubiläumsbroschüre listet Ford selbst unter dem Titel "Weitere Unternehmen, die Ford in den letzten 50 Jahren auf einer Einkaufsliste für möglichen Kauf oder Fusion hatte" auf: Lancia, Fiat, Ferrari, Rover, Rootes, Auto Union, Lotus, Berliet, Borgward, Mercedes, BMW und Saab.
Geworden sind es bis heute Jaguar, Aston Martin, Land Rover und Volvo, die als eigenständig geführte Marken im Rahmen der Premiere Automotive Group Teile der Ford- Gruppe sind - allein dort sollen in den nächsten fünf Jahren 30 neue Modelle auf den Markt kommen, kündigte Edsel B. Ford II, Urenkel und Mitglied des Ford-Aufsichtsrats, jüngst in Detroit an. Und, nicht zu vergessen, ein 33-Prozent-Sperrminoritätsanteil am japanischen Autohersteller Mazda, der sich unter amerikanischem Management derzeit wieder auf Höhenflug begibt.
Ford Austria-Generaldirektor Fritz Schmutzhart - er selbst feiert heuer 30 Jahre bei Ford - hat zum Jubiläum trotz insgesamt "hatscherter" Autokonjunktur eigentlich nur gute Botschaften zu berichten. Eine breite Modellpalette, die von Klein bis Groß, sprich von Ka bis Mondeo und den Transit-Nutzfahrzeugen in allen Klassen bestsellerverdächtige Angebote hat, Lob von den Qualitätsprüfern - im Vorjahr der Focus Sieger in der TÜV-Zuverlässigkeitswertung, heuer der neue Fiesta - und ein frisch motiviertes Händlernetz, das in Österreich jetzt sogar vier Jahre Garantie bietet. Das wohl rekordverdächtigste Auto von Ford derzeit ist der Focus, 1998 zum "Auto des Jahres" gewählt, in den letzten Jahren das weltweit meistverkaufte Auto. Die Million Stück pro Jahr hat er bisher zwar trotz ständiger Verbreiterung der Motorisierungspalette nicht geschafft, aber mit der heurigen Einführung in Australien, der im Vorjahr eröffneten neuen Fabrik im russischen Sankt Petersburg und weiteren Modellvarianten, wie dem im Herbst nach Österreich kommen Mini-Van "C-Max" könnte es vielleicht bald zu schaffen sein. Zumal Kritiker dem Wagen nach wie vor "das beste Fahrwerk der Jahre bis zumindest 2004" bescheinigen und konstatieren, dass Ford sich erfolgreich jener Tradition besonnen hat, der zufolge Autos auch Spaß machen sollen. Apropos Tradition: Die Jubiläumsmodelle aller Klassen kommen - mit umfangreicher Sonderausstattung um 100 Euro - alle in Schwarz daher. Aber, und Marketinggenie Henry I. wurde schmunzeln, sie werden selbstveständlich in allen andere Farben ebenfalls angeboten. 60 Prozent der bisherigen Kunden griffen dennoch zu Schwarz. P.S: Die Geburtstagsaktion ist bis August verlängert.
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