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Von der Poesie der Hauswirtschaft

Von Judith Belfkih

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Wofür Tage nicht ausreichen, dafür müssen die Nächte herhalten. Die Tage sind ja - im täglich wachsenden Aktions- und Gedenkkalender - zudem mehr als ausgebucht. So müssen sich der internationale Jogginghosentag und der Weltkuscheltag bereits den 21. Jänner teilen. Das ließe sich im Zelebrieren ja noch verbinden. Schwieriger wird es da bei der Koexistenz des Welttags der Hauswirtschaft und jenes der Poesie am 21. März. Verwirrender ist hier wohl nur der 25. April: Da kulminieren Welt-Pinguin-Tag, DNA-Tag, Welt-Malaria-Tag und Tag des Baumes mit dem Internationalen Tag der Eltern-Kind-Entfremdung.

Um weiteren Tagen diese Mehrfachbelegungen zu ersparen, verlegen sich Initiatoren von Gedenkveranstaltungen zunehmend auf die Nächte. Die langen Nächte der Museen, der Kirchen und der Musik etwa haben sich in Österreich bereits etabliert und erfreuen sich großer Beliebtheit.

Von diesem Erfolg profitieren will nun auch die Philosophie und hat den von der Unesco zum Welttag der Philosophie ernannten dritten Donnerstag im November zum zweiten Mal in die Nacht verlegt. So gibt es am 16. November an acht Orten in Österreich 45 Veranstaltungen Denkanstöße und Einladungen zum Perspektivenwechsel - mit Philosophie im Fischlokal oder philosophischem Speed-Dating (Programm: www.langenachtderphilosophie.at). Die Aktion versteht sich als Anregung zum Nachdenken und Tiefschürfen in Zeiten von Meinungsblasen und Algorithmen. Dass die lange Nacht der Philosophie dieses Jahr mit dem Tag für Toleranz und dem deutschen Vorlesetag zusammenfällt, dürfte da nicht weiter stören.