)
Die Produktion homöopathischer Arzneien unterliegt denselben gesetzlichen Regelungen wie jene der Schulmedizin. | Doch das Endprodukt ist umstritten.
Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 11 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.
Eisenstadt. Verreiben, Verschütteln, Potenzieren: Diese Begriffe sind vor allem aus der Homöopathie bekannt. Doch was passiert dabei eigentlich? Die "Wiener Zeitung" hat sich in einer Eisenstädter Produktion genauer erkundigt und sich abseits der Debatte um die Wirksamkeit der Homöopathie das Procedere von der Substanz zum Globulus angesehen.
Homöopathen zufolge wirkt die Information in den Kügelchen. So, wie ein bespieltes und ein unbespieltes Tonband chemisch völlig gleich sind, aber unterschiedlich wirken, tun demnach Zuckerkügelchen etwas anderes im Körper als jene, die mit Wirkstoffen aufgeladen sind. Obwohl sich also in den Endprodukten - Globuli, Tropfen oder Tabletten - zumeist kein Wirkstoff mehr befindet, beginnt alles so wie in der Schulmedizin mit einer Grundsubstanz.
Arnica und Aconitum
Heute sind die Spezifika von 5000 Einzelmitteln im Homöopathischen Arzneibuch beschrieben. Menschen wie der Eisenstädter Apotheker und Gründer von Remedia Homöopathie, Robert Müntz, bereisen die entferntesten Gebiete der Erde, um nach immer neuen Substanzen zu suchen. Gängige Mittel wie Chamomilla, Arnica oder Aconitum (blauer Eisenhut) kommen aus dem Pflanzenreich. Viele Arzneien sind tierischen oder mineralischen Ursprungs - etwa Schlangengifte oder Salze. Auch Metalle wie Kupfer und Quecksilber kommen zum Einsatz. Befinden sich in den Mitteln Krankheitserreger, spricht man von Nosoden.
Die Globuli-Produktion beginnt mit einer Arzneimittelprüfung. Dabei nehmen Gesunde nach den Vorgaben Samuel Hahnemanns, der Begründer der Homöopathie, ein Mittel ein und dokumentieren die Symptome. Es entsteht ein Arzneimittelbild. Nehmen wir jenes von Aconitum: Die Symptome einer Aconit-Vergiftung treten plötzlich auf und manifestieren sich in Herzrhythmusstörungen und Frösteln. Verabreicht wird das Mittel daher, dem Ähnlichkeitsprinzip entsprechend, bei Beschwerden, die plötzlich und heftig auftreten, etwa infolge von Unfällen oder Schock.
"Die Zubereitung ist unter denselben Regeln zu sehen wie die eines schulmedizinischen Arzneimittels. Da unterscheidet der Gesetzgeber nicht zwischen Homöopathie und der Schulmedizin", erklärt Müntz. "Wir haben dieselben Qualitätssicherungsauflagen", von der Reinheitsprüfung über den Transport bis zur Qualifizierung der Vorlieferanten." Basis für die Herstellung sind alkoholische Auszüge von Pflanzen (Urtinkturen) oder feste Stoffe. Festes Material, wie Mineralien oder Metalle, werden verrieben. Dazu wird die Substanz mit einem je nach gewünschter Verdünnung (Potenzierung) nötigen Anteil an Lactose vermengt und in einer Porzellanschüssel zerrieben. Jede Verreibung mündet nach den nötigen Arbeitsschritten in einer flüssigen Lösung.
Verschüttelt und geschlagen
Zur weiteren Potenzierung wird verschüttelt. Dazu werden Alkohol und die Wirkstofflösung in einem bestimmten Verhältnis in einem Fläschchen vermengt und dieses wird pro Verdünnungsschritt zehn Mal händisch gegen eine elastische Unterlage geschlagen. Schließlich wird die Flüssigkeit mit hochprozentigem Alkohol vermengt, um damit die Saccharosekügelchen in einer Petrischale zu benetzen. Nachdem sich der Alkohol verflüchtigt hat und die Globuli trocken sind, werden sie abgefüllt. Haltbar sind sie den gesetzlichen Regelungen entsprechend fünf Jahre. Jedoch "gibt es viele Hinweise dafür, dass historische Arzneien, die auf die Zubereitung vor 100 oder 150 Jahren zurückgehen, immer noch eine uneingeschränkte Wirksamkeit haben", sagt Müntz: "Vielleicht ist dabei auch ein nennenswerter Teil von Placebowirkung, dann ist es auch gut. Auch der Schulmedizin werden 20 Prozent Placebowirkung zugeschrieben."

)
)
)