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Von Expats zu virtuellen Kollegen

Von Iris Fischlmayr

Wirtschaft

Alternative Formen zur Langzeitentsendung. | Großer Bedarf, doch viele Fragezeichen bei Auslandseinsätzen. | Wien. Langfristige Auslandsentsendungen (die sogenannte Expatriation) für einen Zeitraum von mindestens einem halben Jahr waren lange Zeit die bevorzugte Besetzungsstrategie von international tätigen Unternehmen.


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Mit zunehmender Globalisierung und vermehrtem Bedarf in den Emerging Markets wie etwa China oder Indien übersteigt die Nachfrage das Angebot an international einsetzbarem Personal jedoch bei weitem.

Berichte ehemaliger Expatriates weisen immer auf wieder Problemfelder hin: Da geht es unter anderem um die Bereitschaft des Partners, die Anpassung der Familie, die Rückkehr und Wiedereingliederung ins Heimatland beziehungsweise -unternehmen oder um nicht verwirklichte Karrieresprünge nach dem Einsatz. Diese Probleme halten Mitarbeiter offenbar immer häufiger davon ab, langfristig ins Ausland zu gehen. Ihnen ist ein ausgewogenes Leben zwischen Job und Freizeit beziehungsweise Familie wichtiger. Dazu kommen finanzielle Restriktionen von Unternehmen, die "Expatriate Packages" nicht besonders attraktiv machen.

Aufgrund der sinkenden Bereitschaft haben sich in den vergangenen Jahren Alternativen zu den Auslandsentsendungen entwickelt, die weltweit - auch hierzulande - immer mehr Zuspruch finden:

Kurzzeitentsendungen dauern höchstens ein Jahr. Die Familie bleibt in der Einsatzzeit meist zuhause. Eingesetzt werden diese Mitarbeiter vorwiegend in Projekten, für Wissenstransfer oder um das lokale Management zu entwickeln. Neben erhöhter Flexibilität vermeidet man mit dieser Form Probleme im Zusammenhang mit der Rückkehr der Expatriates.

Oft leiden aber auch die Familien durch die zeitweilige Trennung, was erhöhte Trennungsraten zur Folge hat. Der Entsandte selbst erfährt einen erhöhten Stresslevel, findet kaum Zeit zur Anpassung ans Gastland, zum Erlernen der Sprache oder zum Aufbau von langfristigen Geschäftsbeziehungen.

Pendler: Eine weitere Möglichkeit ist das wöchentliche oder 14-tägige Pendeln zum ausländischen Arbeitsplatz. Die Familien bleiben dabei ebenfalls im Heimatland. Pendler werden dabei in ähnlichen Bereichen wie die Kurzzeitentsandten eingesetzt.

Lange Reisezeiten führen dabei mitunter aber zu gesundheitlichen Problemen und Stress. Spracherwerb und kulturelle Anpassung im Gastland sind ebenso erschwert. Neben komplexen Steuerfragen aufgrund unterschiedlicher rechtlicher Rahmenbedingungen verzeichnen die Unternehmen durch Hotel- und Reisekosten sowie Zulagen auch vermehrt hohe Kosten.

Vielflieger: Regelmäßige, häufige Geschäftsreisen in ausländische Geschäftsstellen, welche wenige Tage bis einige Wochen dauern. Gründe des Einsatzes sind Projekte, Kontrolle, Teilnahme an Meetings und Consulting.

Zu Vielfliegertum verzeichnet man höhere Bereitschaft als für andere Entsendungsformen, obwohl auch hier viel Zeit durch Reisen verloren geht und die vermehrte Reisetätigkeit zu erhöhtem Stresslevel bis hin zum Burn out führen kann.

Virtuelle Expatriates: Die rasante Entwicklung der neuen Kommunikationstechnologien macht es möglich, physisch im Heimatland zu verweilen, aber als Teammitglied oder Projektleiter in anderen Ländern zu arbeiten. Kommunikation und Kollaboration finden im Wesentlichen mittels elektronischer Medien statt (E-Mail, Skype, Videokonferenz, Webconferencing). Persönliche Treffen gibt es nur von Zeit zu Zeit. Kosten lassen sich dadurch wesentlich reduzieren, allerdings führt diese Form zu einer völlig neuen Arbeitswelt - mit allen Vor- und Nachteilen.

Iris Fischlmayr ist Dozentin am

Institut für Internationales Management an der Kepler Uni Linz.

Einen ausführlichen Beitrag von ihr zu dem Thema lesen Sie in der Zeitschrift "AsoK" des Linde Verlages.