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Von Händel über Grass zu Kertész

Von István Orbán

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Da beim Fernsehen - wie es heißt - alles besser bleibt, habe ich am vergangenen Wochenende das Fernsehen besser bleiben lassen und mich hauptsächlich der in Ö1 reichlich angebotenen Musik hingegeben. Am Samstagnachmittag genoss ich beim Ö1-Konzert historische Aufnahmen von den Salzburger Festspielen, und später dann einen Großteil der "Jazznacht". Und zwischendrin, als die Nachrichten die Meldung vom neuesten Opfer des Washingtoner Heckenschützen zum x-ten Mal wiederholten, wurde mir plötzlich bewusst, dass Peter Bogdanovich in seinem Film "Bewegliche Ziele" ziemlich genau diese Situation beschrieben hat - 1967.

Aufgrund der langen "Jazznacht" verschlief ich am Sonntag die halbe "Matinee", Dvoraks "Aus der Neuen Welt" habe ich dann allerdings noch genussvoll mitsingen können. Nachmittags in "Fiori musicali" gab's die interessante Erfahrung des Nicht-Händel-Oratoriums "Nabal" von Händel. Bei den "Tonspuren" schweiften dann meine Gedanken ab vom gefeierten Günter Grass hin zum diesjährigen Literatur-Nobelpreisträger Imre Kertész. Besonders dachte ich daran, dass die deutschen Titel seiner Werke den Sprechern und Schreibern jetzt so locker von der Zunge bzw. aus der Feder fließen, deren Übersetzer aber wieder einmal unerwähnt bleiben. Ich will das hier teilweise nachholen; zumal man mit diesmal durchaus berechtigtem (National)Stolz darauf hätte verweisen können, dass einer der Kertész-Übersetzer, György Buda, in Wien lebt und arbeitet. Er hat zwar nicht den jetzt viel zitierten "Roman eines Schicksallosen" übersetzt (das war Christina Virágh), aber, zwischen 1992 und 2000 alleine oder als Co-Übersetzer, fünf andere Werke, darunter "Kaddisch für ein nicht geborenes Kind", "Holocaust als Kultur" und zuletzt "Fiasko". Die Autoren mögen geehrt werden. Die Übersetzer seien zumindest erwähnt und bedankt.