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Die Idee, den Weltraum militärisch zu nutzen, ist mehr als 60 Jahre alt und hatte ihren Ursprung in Deutschland: Anfang der Dreißigerjahre wird ein deutscher Offizier auf den jungen und ambitionierten Techniker Wernher von Braun aufmerksam, der auf dem Gebiet des Raketenantriebs experimentiert und von bemannten Flügen zum Mond träumt. Der scheinbar realitätsfremde Wissenschaftler wird daraufhin in den Dienst des Heeres-Waffenamtes gestellt und leitet ab 1936 im Dienste der Nationalsozialisten eine eigene Forschungsabteilung mit Testgelände bei Peenemünde.
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1942 wird der erste funktionstüchtige Prototyp einer Brennstoffrakete, die "Aggregat 4" (A4) fertiggestellt. Der Urahn des modernen Space-Shuttles war 14 Meter lang und wog vollgetankt 12,9 Tonnen. Ein vorläufiger Testflug auf dem Versuchsgelände von Peenemünde gelingt nach zwei Fehlschlägen am 3. Oktober.
Sehr bald schon wird der eigentliche Zweck der jahrelangen Entwicklungsbemühungen auf erschreckende Weise deutlich: Ab September 1944 verbreitet eine verbesserte Version der A4, inzwischen von der Goebbels-Propaganda in "Vergeltungswaffe 2" (V2) umbenannt, Panik unter der Londoner Zivilbevölkerung. Etwa 5.500 V2-Raketen, von Sklavenarbeitern teilweise unterirdisch hergestellt, rasen bis Kriegsende mit Überschallgeschwindigkeit auf England und später Belgien nieder. Ihre Bedeutung für den Luftkrieg lag darin, dass sie im Gegensatz zu konventionellen Bombergeschwadern für die britische Abwehr nicht erkennbar waren und daher auch kaum abgeschossen werden konnten. Die kriegsentscheidende Wirkung, die die deutsche Propaganda der V2 zuschrieb, konnte jedoch nie erreicht werden.
Die Raketentechnologie wurde nach Kriegsende gestützt auf die Vorarbeit der Deutschen, in den USA wie auch in der Sowjetunion weiterentwickelt. Die Amerikaner holten im Zuge der Aktion "Paperclip" unter Umgehung sämtlicher Entnazifizierungsregeln Wherner von Braun und viele seiner Mitarbeiter in die USA. Auch die Sowjets konnten Mitarbeiter aus dem Team des deutschen Raketenpioniers für die Zusammenarbeit gewinnen. Beide Mächte konfiszierten unbeschädigt gebliebene V2-Raketen, Einzelteile und Blaupausen für ihre Entwicklungslaboratorien und arbeiteten mit Hochdruck daran, unter den Vorzeichen des Kalten Krieges den prestigeträchtigen und militärisch bedeutsamen Wettlauf in den Weltraum zu gewinnen.
Zunächst hatten die Russen die Nase vorne. Sie meldeten im August 1957 zum Schrecken der Amerikaner den Start einer mehrstufigen ballistischen Rakete über eine interkontinentale Distanz. Die amtliche Nachrichtenagentur TASS hob dabei den waffentechnischen Aspekt des Unterfangens unüberhörbar hervor. Es sollte für die USA noch schlimmer kommen: Im Oktober des gleichen Jahres gelang es den Sowjets den Satelliten "Sputnik" in den Orbit zu befördern. Das Ereignis löste in den USA Verwirrung und Entsetzen- den sogenannten "Sputnik-Schock" aus.
Aber die Amerikaner sind zwischenzeitlich nicht untätig geblieben. Von Braun, der noch immer von der eigentlich friedlichen Idee der bemannten Raumfahrt besessen war, mittlerweile aber voll im Dienste des US-Militärs stand, entwickelte 1953 mit der "Redstone" die erste einsatzfähige atomare Mittelstreckenrakete der Welt, die nach einigen Modifikationen 1958 in Europa stationiert wurde und das Wettrüsten zwischen den Supermächten ankurbelte.
Trotz aller Anstrengungen der USA behielt die Russen weiterhin die Nase vorn: Denn sie waren es, die mit Juri Gagarin den ersten Menschen in den Weltraum brachten. In der Propagandaschlacht um den Weltraum deutlich an zweiter Stelle liegend verkündete John F. Kennedy 1961, Amerika werde bis zum Ende des Jahrzehnts einen Menschen zum Mond und zurück bringen. In einer gewaltigen Kraftanstrengung und unter dem Einsatz enormer Mittel gelang es den Amerikanern 1969 noch vor den Sowjets, ihre Flagge auf dem Mond zu hissen.
Einen über die Entwicklung und Verbesserung von Interkontinentalraketen hinausgehenden Impuls für die militärische Nutzung des Weltraums gab Ronald Reagan in seiner berühmt gewordenen Star-Wars Rede von 1983. Er schlug damals vor, durch einen Abwehrschirm die Bedrohung durch Interkontinentalraketen zu beseitigen. Die Strategische Verteidigungsinitiative (Strategic Defense Initiative, SDI) wurde von der Öffentlichkeit nach einem in den siebziger Jahren populären Film schnell mit dem Namen "Star Wars" belegt. Letztlich scheiterte das Programm an seiner schieren Größe, an technischen Schwierigkeiten, an immensen Kosten und weltweiten Protesten.
Nicht zuletzt wäre ein solches Abwehrprogramm dem 1972 zwischen den beiden Supermächten geschlossenen ABM-Vertrag (Anti-Ballistic Missile Treaty) zur Beendigung des kräfteraubenden Wettrüstens zuwider gelaufen. Im Artikel V(1) des Vertrags. der mit geringen Änderungen noch heute zwischen den USA und Russland gilt, verpflichten sich die Vertragsparteien, "keine ABM-Systeme oder Bestandteile zu entwickeln, zu erproben oder aufzubauen, die see,- luft- oder weltraumgestützt sind."
Als ABM-System wird gemäß Artikel II "ein System zur Bekämpfung anfliegender strategischer ballistischer Flugkörper oder ihrer Grundbestandteile" definiert. Der Vertrag schließt jedoch nur den Aufbau eines umfassenden Schutzschildes aus, lokal begrenzte Abwehrsysteme sind ausdrücklich erlaubt.
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