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Von Körben und Eiern

Von Barbara Ottawa

Wirtschaft
Barbara Ottawa ist freie Journalistin und berichtet vorwiegend über Investitionen und Pensionskassen.

Die Finanzkrise hat auch dem Konzept der Diversifikation einen ordentlichen Dämpfer versetzt - es aber nicht völlig außer Kraft gesetzt, wie die Experten betonen.


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Investoren sollen "nicht alle Eier in einen Korb geben", so lautet der englische sprichwörtliche Rat für Kapitalmarktanlagen. Die Idee dahinter ist, dass - wenn ein Korb abstürzt - die Eier in den anderen Behältnissen unversehrt bleiben.

Allerdings zeigte sich im vergangenen Jahr, dass etliche Anlageklassen stärker korreliert sind, als erwartet. Sie reagieren also ähnlicher auf gewisse Situationen als in den Jahren davor.

Deshalb hat eine breite Diversifikation eines Portfolios, also zum Beispiel neben Anleihen und Aktien die Veranlagung in Hedgefonds, Rohstoffe, Derivate und Immobilienaktien, nicht so viel Schutz geboten wie in den vergangenen Jahren, erläutert Alfred Bühler vom Schweizer Beratungsunternehmen PPCmetrics.

Das Problem ist, dass viele Hedgefonds und Immobilienunternehmen genauso wie Hochrisikoanleihen (also solche von Unternehmen mit schlechter Bonität) vom Einbruch des Kreditmarktes und der dadurch verringerten Liquidität betroffen waren. Nur direkt gehaltene Immobilien haben einen positiven Beitrag zum Ertrag geleistet.

Während der Krise im Jahr 2002 war das anders: Damals erwirtschafteten auch Hedgefonds und Rohstoffe positive Erträge. "Nur Anleihen waren auch 2008 eine gute Stütze und die ausgleichenden Effekte zwischen Aktien und Anleihen bestehen weiter," so Bühler.

Wie die Grafik zeigt, liegt der Index der Staatsanleihen der G7-Staaten im langjährigen Ertrag zwischen 1991 und 2007 ein wenig über den als risikolos eingestuften US-Staatsanleihen und weicht im Risiko nur wenig davon ab.

Nicht-kommerziell genutzte Immobilien bringen deutlich mehr Ertrag - bei geringer Risikoabweichung von risikolosen Anlagen.

Deutlich mehr Risiko bringen Aktienindizes ins Portfolio - am meisten jene der asiatischen Märkte, exklusive Japan.

Eine Mischung dieser Anlagen in einem Portfolio bringt damit ein ausgeglicheneres Risiko/Ertragsprofil - auch während der Krise. Laut Berechnungen der Allianz Investmentbank haben die weltweiten Aktienmärkte (MSCI World) seit Jahresbeginn zwar wieder positive Erträge von mehr als 20 Prozent erzielt. Über die vergangenen zwölf Monate gerechnet, bleibt der Ertrag jedoch negativ bei knapp minus 8 Prozent.

Anleihen haben in diesem Zeitraum vor allem durch das niedrige Zins umfeld mehr als 12 Prozent erwirtschaftet.

Sogenannte "alternative Investitionen", ein Begriff unter dem zumeist Rohstoffe, Hedgefonds, Private-Equity und einige Derivate zusammengefasst werden, sind in sich wenig homogen und haben teilweise sehr unterschiedliche Risiko/Ertragsprofile.

"Diversifikation wird auch in Zukunft wichtig bleiben, aber man sollte nicht einfach beliebig die Anzahl der Anlageklassen im Portfolio erhöhen," sagt Bühler. Transparenz sei wichtig, um das Risikoprofil einer Anlage zu erkennen, fügt er hinzu.