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Von Osama bin Laden keine Spur

Von WZ-Korrespondentin Agnes Tandler

Politik

Suche nach Spitzen des Terrornetzwerks in Pakistan. | Militär als Schlüssel im Kampf gegen den Terror. | Neu Delhi. Noch vor einem Jahr kamen Touristen ins idyllische Swat-Tal in Pakistan: Mit schneebedeckten Bergspitzen, Pinienwäldern, reißenden Bächen und türkisblauen Seen fühlt man sich fast wie in den Alpen.


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Nun herrscht hier Krieg, seit Taliban-Kämpfer in die Urlaubsgegend nordwestlich der Hauptstadt Islamabad eingedrungen sind. Besonders in den Bergregionen Swat, Bajur und Süd-Waziristan hat es in den vergangen Wochen groß angelegte Militäroffensiven gegen radikale Islamisten gegeben. Im Grenzgebiet zu Afghanistan soll sich Al-Kaida-Mann Nummer Eins, Osama bin Laden, aufhalten.

"Wir werden seine Höhle ausräuchern und ihn schließlich kriegen," hatte US-Präsident George W. Bush nach dem 11. September 2001 versprochen. Doch auch sieben Jahre später fehlt vom Topterroristen jede Spur, obwohl das pakistanische Militär die Region gerade mit einem Bombenteppich überzieht. Rund 250.000 Menschen sind vor dem Krieg im eigenen Land geflohen.

Ungeduld der USA mit Pakistan wächst

Die USA werden immer ungeduldiger mit Pakistan. Ihr Verbündeter im Anti-Terrorkampf macht kaum Fortschritte gegen die Extremisten. Die Bush-Regierung hofft auf einen Erfolg, bevor ihre Amtszeit zu Ende geht. US-Truppen drangen vor einer Wochen erstmals seit 2001 offiziell in pakistanisches Territorium ein. Bei dem Angriff starben rund 20 Menschen.

Schlüssel im Anti-Terror-Kampf ist das pakistanische Militär, die mächtigste Institution Pakistans. Sein Verhältnis zu Taliban und Al Kaida ist gespalten. Dies ist vermutlich einer der Gründe, warum die Jagd auf Osama bin Laden bislang nicht erfolgreich war. Nur zu gern hat die Armee religiöse Extremisten gefördert, um die politische Opposition im Land zu neutralisieren. Auch innerhalb der Streitkräfte war der Extremismus ein probates Machtmittel. Militärdiktator Zia ul Haq begann 1977 mit der Islamisierung der pakistanischen Armee. Nur zwei Jahre später, nach der Invasion Afghanistans durch die Sowjetunion 1979, trainierte und unterstützte das pakistanische Militär den antikommunistischen Widerstand im Nachbarland und brachte schließlich die Taliban, selbsternannte "Gotteskämpfer", an die Macht.

Musharraf wechselte 2001 die Seiten

Als nach dem 11. September 2001 der Westen den Anti-Terrorkampf aufnahm, fand sich Pakistan, das die Taliban mit seiner Jihad-Strategie stets gefördert hatte, plötzlich isoliert. Der damalige Präsident und Militärchef, Pervez Musharraf, wechselte die Seiten, um fortan im Bündnis mit den USA zu kämpfen. Doch die Jihad-Kultur des pakistanischen Militärs hatte sich verselbstständigt.

Taliban und Al-Qaida konnten sich nach der US-Invasion in Afghanistan 2001 ins unwirtlichen Grenzgebiet Pakistans flüchten. Sie stellten sich dort wieder neu auf und überzogen die zurückgebliebenen Region, in der rund drei Millionen Menschen leben, mit Terror. Der Krieg, den die pakistanische Armee dort seit 2004 führt, sei hauptsächlich deswegen ein Fehlschlag, "weil es keinen klaren Ansatz gibt", kritisiert die in Brüssel ansässige "International Crisis Group". Mal wird mit massiver Gewalt gegen die Terroristen vorgegangen, dann werden Friedensverhandlungen geführt. Die unheilige Allianz zwischen den Mullahs und dem Militär in Pakistan hat ein langes Leben.