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Von Zerrüttung und Strafvollzug

Von Bernhard Baumgartner

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Die Grenzen wischen Unterhaltung und Spektakel sind oft fließend. Auch öffentlicher Strafvollzug versammelt oft große Mengen an Schaulustigen. Das Fernsehen ist wie so oft mit dabei, wenn es geht, Horizonte zu erweitern. Jetzt kann man "Rettet die Liebe - 7 Tage Sex" auf ATV nicht als die Speerspitze des Obszön-TVs bezeichnen. Hier reiern sich keine Jugendlichen nach Senderinduzierten Binge-Drinking den Magen aus, hier wird nicht in die Dusche oder unter die Decke gefilmt. Das neue Format bedient sich da subtileren Methoden des Zur-Schau-Stellens. Eine zerrüttete Partnerschaft soll dadurch gerettet werden, dass die Protagonisten sieben Tage lang jeden Tag Sex haben müssen - miteinander.

Nun lassen sich die Kernakte dieses Unterfangens natürlich nicht jugendfrei dokumentieren, daher erlaubt man sich einen Kunstgriff: Mit Nachtlicht-Kameras dürfen die Paare ihr Treiben nach dem Vollzug selbst kommentieren. Da wird dann schon mal nach dem absolvierten Akt ein ermattetes "Tagessoll erfüllt!" in die Kamera geschnauft, sobald der letzte Punkt auf der ToDo-Liste zwischen Eigenheimreinigung und schnöder Werktätigkeit absolviert ist.

Das gibt dem Fernsehen eine völlige Authentizität, ähnlich einschlägigen Videos, die auch immer dann authentisch wirken, wenn sie verschwommen und verwackelt daherkommen.

Dass die Protagonisten selbstredend dem für das heimische Privatfernsehen typischen Sujet entsprechen, sei hier nur am Rande vermerkt. Wie gesagt: Die Grenzen zwischen Unterhaltung und Spektakel sind oft fließend.