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Kabul · Der sowjetische Einmarsch in Afghanistan vor 20 Jahren hat das Land am Hindukusch in einen Krieg gestürzt, der immer noch nicht zu Ende ist. Für die UdSSR wurde der Überfall auf den | Nachbarn zum "Moskauer Vietnam", zur Niederlage einer Supermacht. Die sowjetischen Truppen bekamen Afghanistan nie ganz unter Kontrolle, bis sie 1989 abzogen. Der Sieg der Mudjaheddin brachte dem | Land aber keinen Frieden, sondern nur weiteren Krieg und Zerstörung.
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Nachdem sich 1978 ein kommunistisches Regime in Afghanistan an die Macht geputscht hatte, stieß es mit einer Landreform auf Widerstand. Unter Berufung auf einen Freundschaftsvertrag ließ
Moskau am 27. Dezember 1979 seine Truppen einmarschieren. Zeitweise waren mehr als 100.000 Soldaten der UdSSR in Afghanistan. 15.000 von ihnen kamen ums Leben. Nach Schätzungen wurden bis
heute mehr als eine Million Afghanen getötet, bis zu fünf Millionen Menschen flohen zeitweise.
Die USA unterstützten Mudjaheddin-Gruppen, die den Besatzern in dem zerklüfteten Bergland zusetzten. "Wir haben viele Hubschrauber abgeschossen", erinnert sich Ahmed Maftun, ein Mudjaheddin-Veteran
in Kandahar. "Dann aber brachten die Russen gepanzerte Helikopter, und wir hatten Verluste. Das haben wir den USA gesagt und bekamen neue Raketen, die auch die Panzer-Hubschrauber
zerstörten."
Die Spuren des Krieges sind überall in Afghanistan zu sehen. An den Straßenrändern stehen Panzerwracks, in denen sowjetische Soldaten starben, während fahnengeschmückte Grabsteine an die getöteten
Mudjaheddin erinnern. Immer noch warnen rot angemalte Steine vor Minenfeldern. Auf Bergkuppen ragen die Ruinen zerschossener Dörfer gespenstisch in den Himmel. Große Teile Kandahars liegen in
Trümmern, und Lastwagen quälen sich über völlig zerstörte Straßen.
Der Alptraum endete weder mit dem sowjetischen Rückzug noch mit der Eroberung Kabuls 1992 durch die Mudjaheddin. Kaum war mit dem moskautreuen Präsidenten Najibullah der gemeinsame Feind
besiegt, begann der Machtkampf untereinander. Erst dabei wurde die Hauptstadt zerstört, denn durch Kabul liefen die Frontlinien der Milizen. 1994 traten die Taliban mit dem Ziel an, den Bürgerkrieg
zu beenden.
Das ist ihnen fast gelungen, nur der Milizenführer Ahmed Shah Massud hält noch seine Hochburg im Panschir-Tal. Der Wiederaufbau hat aber kaum begonnen. Die radikal-islamischen Taliban werden von der
Welt geächtet, weil sie Frauen unterdrücken, Mädchen nicht zur Schule gehen lassen, Dieben die Hände abhacken und dem von den USA gesuchten mutmaßlichen Terroristen Osama bin Laden Unterschlupf
gewähren.
Die Isolation hat Folgen. Eine Million Menschen in Kabul leiden unter hohen Brotpreisen. Hunger steht ihnen ins Gesicht geschrieben, der Winter macht das Leben noch schwerer. Der Wert ihrer Währung
Afghani verfällt, die meisten haben ihr Hab und Gut längst verkauft und sind ohne Arbeit und Lohn. "Nach 20 Jahren Krieg geht es in Kabul immer noch weiter abwärts", sagt der Leiter einer UNO-
Organisation.
"Die Wirtschaft der Taliban speist sich aus zwei Quellen, Drogen und Schmuggel. Das kann nicht gut gehen", warnt ein westlicher Diplomat. Fernseher und Kühlschränke werden durch Afghanistan nach
Pakistan geschmuggelt, um die dortigen Einfuhrzölle zu umgehen. Und Afghanistan hat noch nie so viel Rohopium produziert wie 1999. Das alles sei aber kein Grund, die Taliban nicht als
Regierung anzuerkennen und sie zu isolieren, meinen manche Experten. Es werde sich erst etwas ändern, wenn der Westen ernsthaft mit den Taliban verhandele, ob über Rauschgift oder über bin
Laden. Die Taliban seien dazu bereit, sagt ihr außenpolitischer Experte Abbas Stanaksai. "Aber wir können sagen was wir wollen, niemand hört uns zu", klagt er.
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