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Washington - 25 Jahre nach dem Ende des Vietnamkriegs, der 58.000 Amerikanern und drei Millionen Vietnamesen das Leben kostete, wirken die Erschütterungen in den USA nach. Mit dem Fall Saigons stürzten auch die letzten Illusionen von der Unverwundbarkeit der Weltmacht vom Sockel.
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Wann immer ein Auslandseinsatz ansteht, ob in Somalia oder im Kosovo, regt sich sofort die Furcht vor einem "neuen Vietnam". Sie bestimmt Strategie und Taktik. Kriegsgegner und jene, die einst in Indochina kämpften, hinterfragen seither misstrauisch die Motive der Regierenden.
Als globale Macht hätten sich die USA inzwischen von dem Trauma weitgehend erholt, meint der Autor Stanley Karnow. "Der Fall Saigons war ein Debakel, aber es war keine Katastrophe", sagt der Verfasser des Buches "Vietnam: Eine Geschichte". Prestige und Einfluss seien wieder hergestellt, "inzwischen ist Amerika wahrscheinlich das populärste Land der Welt".
Auch mit dem Feind von damals geht Washington fast "normal" um. Seit 1988 arbeitet Vietnam mit den USA bei der Aufklärung des Schicksals vermisster US-Soldaten zusammen. Nach dem Amtsantritt Präsident Bill Clintons 1993 beschleunigte sich das Tempo der Normalisierung. Im Februar 1994 hob Clinton das Handelsembargo auf, am 5. August 1995 eröffnete Außenminister Warren Christopher in Hanoi eine US-Botschaft, die seit 1997 von dem ehemaligen Vietnam-Gefangenen Douglas "Pete" Peterson geleitet wird.
Madeleine Albright besuchte Saigon (Ho-Chi-Minh-Stadt) im Juni 1997 als erste Außenministerin seit Kriegsende: "Die Botschaft, die ich nach Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt mitgebracht habe, ist einfach: Die USA wollen eine volle Normalisierung diplomatischer, politischer und wirtschaftlicher Beziehungen mit Vietnam."
William Cohen stattete dem wiedervereinigten Land als erster US-Verteidigungsminister im März dieses Jahres einen Besuch ab. Ziel: auch die militärische Kooperation zu verbessern. Wirtschaftlich sind sich die beiden Länder inzwischen erheblich näher gekommen, obwohl ein angestrebtes Handelsabkommen aus Rücksicht auf den "großen Bruder China", wie in der US-Presse vermutet wurde, bisher nicht zu Stande kam.
Doch die Wunden sind nicht vernarbt. Täglich ziehen Scharen von Touristen in Washington am Vietnam-Denkmal vorbei. "Es gibt eine Nach-Vietnam-Kultur", sagt Autor Karnow. "In Theaterstücken, in Filmen glorifiziert niemand mehr Krieg." Bis heute fragen sich Kriegsteilnehmer, warum sie in Vietnam waren. "25 Jahre danach kenne ich immer noch nicht die Antwort", gesteht der einstige Elitesoldat Bill Boyd. Viele Jahre waren sie stumm, weil auch ihre Angehörigen nichts von dem Desaster wissen wollten. Und immer noch schlägt so manchem der Vietnam-Generation das Gewissen. "Ich denke nicht daran, mich für den Krieg selbst zu entschuldigen", musste Minister Cohen Fragen ihn begleitender Journalisten auf dem Weg nach Hanoi abwehren.
Cohens Vorgänger Robert McNamara veröffentlichte ein sehr selbstkritisches Buch, in dem der einstige Chefarchitekt des Dschungelkrieges nach Jahrzehnten des Schweigens mit dem Bekenntnis aufwartete, noch während seiner Amtszeit von 1961 bis 1968 den Krieg in Südostasien als katastrophalen Fehler erkannt und Präsident Lyndon Johnson privat "vor einem großen nationalen Desaster" gewarnt zu haben. Kritiker des Krieges sehen sich durch McNamara bestätigt. Als Prominentester fühlt sich Präsident Clinton nachträglich gerechtfertigt, der wegen der damaligen Umgehung seiner Einberufung viel Prügel einstecken musste.
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