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Vorm Walde wird Personenverkehrschef und verlässt Anfang 2005 die Holding

Von Veronika Gasser

Wirtschaft

Nach der Aufsichtsratssitzung der ÖBB stand überraschenderweise fest: Der umstrittene ÖBB-Generaldirektor Rüdiger vorm Walde wird Vorstand der Personenverkehrs AG. Als Vorstandskollegen bekommt er Stefan Wehinger, derzeit Chef der Montafonerbahn AG, zur Seite gestellt. Damit bekleidet vorm Walde, der Vorsitzender der Holding AG ist, vorläufig eine Doppelfunktion. Dem Vernehmen nach jedoch nicht mehr lange, denn aus seinem Holding-Posten soll er Anfang 2005 ausscheiden.


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Den offiziellen Aussendungen zufolge wird der Deutsche vorm Walde sowohl seine strategische Position in der Holding, als auch seine operative in der Personenverkehrs AG weiterhin wahrnehmen. Doch es ist so gut wie ausgemacht, dass er seinen Holdingposten nur bis Anfang des nächsten Jahres behält und ab dann lediglich über den Personenverkehr bestimmen wird.

30 Kandidaten hatten sich beworben. In die engere Wahl waren auch Postbus-Chefin Wilhelmine Goldmann, der frühere Post-›Vorstand Josef Halbmayr, der Personenverkehrsleiter Karl Zöchmeister sowie der Fernverkehrchef Erich Forster gekommen. Wehinger und Vorm Walde hatten die besseren Karten. Die Infrastruktur AG wurde am Freitag mit den beiden langjährigen ÖBB-Managern Alfred Zimmermann und Vorstand Peter Klugar besetzt.

Wer vorm Walde in der Holding nachfolgen wird, ist noch nicht klar. Die Besetzung dieses strategisch wichtigen Postens wird wohl noch längere Zeit in Anspruch nehmen.

Dem Asfinag-Vorstand Walter Hecke wird nachgesagt, dass er großes Interesse an dem Job des in den Rechnungshof übersiedelten Josef Moser habe. Derzeit ist die Holding der Eigentümer der alten ÖBB. Die neuen Gesellschaften (Personen-, Güterverkehr, Infrastruktur und Dienstleistung) existieren derzeit nur als Hülsen. Diese werden durch Spaltung der alten ÖBB mit Inhalt und Personal gefüllt. Bis zum Jahresende ist dieser Vorgang voraussichtlich nicht abgeschlossen.

Was nach Abspaltung übrig bleibt, soll in die Bau AG umgegründet werden. Diese bekommt zusätzlich die Finanzierungsaufgaben samt 3 Mrd. Euro Schulden der Schieneninfrastrukturfinanzierungsgesellschaft (Schig) sowie die HL-AG eingegliedert. Mit diesem Schachzug könnte auch die Personalfrage der mächtigen Bau AG geklärt sein. Derzeit ist der einstige FP-Politiker Gilbert Trattner Vorstand in der Schig und in der HL-AG. Er gilt daher als aussichtsreichster Kandidat für die Bau-Gesellschaft. Die Schig bleibt in verkleinerter Form erhalten und wird künftig für die Vergabe der Public--Private-Partnership-Verträge, die Zuweisung der Trassen an die ÖBB und Private Bahnen sowie das Controlling der ÖBB-Mittel zuständig sein. Heftige Auseinandersetzungen gab es auch über die Funktion der neuen Dienstleistungsgesellschaft. Sie wird weniger Aufgaben haben, als ursprünglich geplant. Sie bekommt zwar das Personal und die Informationstechnologie. Doch Finanz- und Rechnungswesen sowie Einkauf sollen den anderen Gesellschaften erhalten bleiben, was ÖBB-Manager wie auch die Gewerkschaft als "völlig unwirtschaftlich" bezeichnen.