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Vormerkschein adé

Von Ina Weber

Politik

Alle geförderten Wohnungen inklusive Gemeindebau in Wien werden gebündelt, über ein neues Wohnticket vergeben und alteingesessene Wiener werden vorgereiht.


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Wien. Wer seit fünf oder mehr Jahren in Wien lebt und eine geförderte Wohnung braucht, hat Glück. Denn ab 1. Juli werden diese Menschen jenen vorgezogen, die etwa erst seit drei Jahren in Wien leben. Wohnbaustadtrat Michael Ludwig stellte die neuen Vergaberegeln für geförderte Wohnungen vor. Dabei werden alle Angebote - von der Gemeindewohnung über die Genossenschaftswohnung bis zur geförderten Eigentumswohnung - aus einer Hand fließen. Anlaufstelle dafür ist die Guglgasse im 3. Bezirk. Dort können Interessierte ab 1. Juli ein sogenanntes Wohnticket lösen, welches den Vormerkschein ablösen wird.

Die Warteliste sowohl für Gemeindebau als auch geförderten Wohnbau wird ein und dieselbe sein. Beträgt die durchschnittliche Wartezeit derzeit eineinhalb Jahre, so erhofft sich Ludwig durch das neue System eine Verkürzung. Neu ist das Bonussystem für Wiener: Jene, die seit fünf Jahren in Wien leben, rücken um drei Monate auf der Warteliste nach vorne. Jene, die seit zehn Jahren in Wien leben, um sechs Monate und jene, die seit 15 Jahren oder mehr in Wien leben, um neun Monate. Es werden maximal 15 Jahre angerechnet.

Es ist ein Goodie für die Wiener, die "für die Stadt etwas beigetragen haben", hieß es seitens des Stadtrat-Büros. "Alle anderen müssen sich hinten anstellen", so Ludwig. Und es sei ein Beitrag für die soziale Durchmischung. Geförderte Wohnungen sollten einer möglichst breiten Bevölkerungsschicht zugute kommen.

Das Kriterium, dass man mindestens zwei Jahre in Wien gemeldet sein muss, um überhaupt Anspruch auf eine Gemeindewohnung zu haben, bleibt unverändert und wird auf alle geförderten Wohnungen in Wien ausgeweitet. Berechtigt sind weiterhin österreichische Staatsbürger, EU-Bürger, Drittstaatsangehörige (sofern sie fünf Jahre in der EU gelebt haben) und Asylwerber mit dauerhaftem Aufenthaltstitel.

Strengere Überprüfung

Für Menschen, die sich in sozialer Not befinden, wird sich laut Ludwig nichts ändern. Diese bekämen weiterhin eine bevorzugte Stellung und könnten sich wie immer an die Wohnungskommission wenden, die sich um solche Fälle kümmert. Im vergangenen Jahr wurden auf diesem Weg 1650 Wohnungen vergeben. Dem Vernehmen nach sollen diese jedoch auf 1200 gekürzt werden.

Den jungen Wienern sollen in Zukunft nicht nur Gemeindewohnungen, sondern auch "supergeförderte" Wohnungen zur Verfügung stehen. Der Eigenmittelanteil wird für diese Gruppe auf unter 10.000 Euro festgesetzt.

Stärkere Kontrollen gibt es für jene, die bereits in einer geförderten Wohnung leben. Ein Überbelag als Grund für eine größere Wohnung soll ab 1. Juli strenger kontrolliert werden. "In Zukunft gelten nur noch Verwandte der ersten Linie. "Keine Tanten, Neffen oder Ähnliches", so Ludwig.

Derzeit befinden sich 16.500 Menschen auf den Wartelisten. Im Jahr werden rund 11.000 Wohnungen vergeben. Mit dem neuen Bonussystem geht Stadtrat Ludwig davon aus, dass die Vorrückungen der Wiener "eine starke Bewegung verursachen werden". Alles nur ein Stimmenfang im FPÖ-Stil? Den Vorwurf wies Ludwig von sich. Er sei aus der Luft gegriffen. Die neuen Regeln seien lediglich weitere Schritte innerhalb einer Gesamtstrategie.