Zum Hauptinhalt springen

Vorname, zweiter Buchstabe

Von Sabine Ertl

Kommentare

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 21 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

"Grüezi miteinand" - mit tiefer Bescheidenheit begrüßte der Anchorman des Schweizer Fernsehens Charles Clerc, der tatsächlich so mondän wie sein klingender Name aussieht, am gestrigen Montag wieder das kleine Grüppchen eingefleischter Fans zum 3sat-Ratespiel "DENKmal". Dass zur Tätigkeit des Spielens auch die Fähigkeit runder Allgemeinbildung gehört, darf sich der Zuseher selbst während der bedächtigen, halbstündlichen Ein-Mann-Sendung zu Hause im bequemen Fernsehfauteuil beweisen. Der Bildungsexkurs führt meist in ernsthafte, aber auch subversive und trendige Sphären des Kulturkosmos.

"Zuviel des Guten" war das Schlagwort dieser Woche, ging es um die Kultur des Zuvielen, der gar zügellosen Kultur. Mit der Raffinesse eines Sprachkünstlers präsentierte Clerc die getarnten Rätsel in Person eines deutschen Malers, der die Schönheit allzu schön sah, einer Modeschöpferin, die es mit Textilien allzu bunt trieb und einer Schriftstellerin, die es auch bunt trieb, aber ohne Textilien. Nun gilt es die Namen der Kreativen zu finden, nachzuschlagen, zu grübeln, mal nachzudenken, so die Aufgabe. Aber sicher doch gelingt es Ihnen, aus der Fülle dieses üppigen Katalogs die richtigen Antworten zu schälen, raunt im Hintergrund die sanfte Stimme des Moderators. Beruhigend. Einfach den zweiten Buchstaben des Vornamens usw. auf eine Postkarte schreiben und einsenden. Kurzum: Ein Ratespiel mit Muse, zeitlos, und dem geflügelten Wort "Denkmal" gar Theatralisches anmaßend. Das Lösungswort klingt dann immer ganz nach Schweizer Präzision mit dem Prädikat besonders wertvoll.