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"Vorwürfe sind ein Unsinn"

Von Dieter Friedl

Wirtschaft

Übernahme der Siemens-Tochter Innovest liegt auf Eis. | Auswechseln der Vorstände kostete drei Millionen Euro. | St. Pölten. Sei dem Umbau im Juli 2007 und Ausstieg der Volksbanken ist die niederösterreichische Hypobank vollständig im Besitz des Landes Niederösterreich. Rund um die neu entstandene Hypo Investmentbank AG tobt derzeit ein heftiger Politstreit: SP und Grüne kritisieren eine geplante Kapitalerhöhung und Millionenbeträge für eine Vielzahl von Abfertigungen.


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"Wiener Zeitung": Hat die Bank eine Kapitalaufstockung nötig? Wenn ja, warum greift sie nicht auf den Staatstopf zu?Herbert Fichta: Wir wollen nicht auf den Staat zurückgreifen, das Land hat uns eine Kapitalerhöhung von 50 Millionen zugesagt, damit wir den Gemeinden und kommunalen Einrichtungen zusätzliche Kredit in Höhe von 500 Millionen vergeben können. Wir sind aber schon bisher mit einer Kernkapitalquote von 11,3 Prozent bestens ausgestattet, mit der Kapitalerhöhung kommen wird dann auf fast 13 Prozent.

Wie geht es der Bank, wie hat sie bisher gewirtschaftet?

Wir haben kaum einen Abwertungsbedarf. Für 2007 haben wird eine Dividende von 21 Prozent (10 Millionen Euro) ausgeschüttet, im Jahr davor sogar 100 Prozent (37 Millionen) des gewinnberechtigten Grundkapitals.

Wie finanzieren Sie sich?

Wir haben einen hohen Spareinlagenstand und ansonsten über Anleihen und Pfandbriefe. Bei den Anleihen gibt es gewisse Abwertungen.

Können Sie aus der Krise der Kommunalkredit Kapital schlagen?

Durch die aggressive Politik der Kommunalkredit haben wir viel Geschäft verloren, wir hoffen, dass wir in Zukunft speziell bei der Gemeindefinanzierung wieder verstärkt Fuß fassen können.

Aber Sie haben ja auch noch andere Projekte . ..

Ja, wir sind dabei eine Bank in Bulgarien auf die Beine zu stellen, bei der wir die Mehrheit haben werden. Damit sind auch Geschäfte in Mazedonien verbunden. Die geplante Übernahme der Innovest, eine Siemenstochter, haben wir vorerst auf Eis gelegt. Außerdem werden wir eine neue Zentrale in St. Pölten bauen.

Im Vorjahr wurde von den Volksbanken, die 43 Prozent der Aktien hielten, alle Aktien zurückgekauft und die NÖ Hypo anschließend in eine Investment Bank und eine Retailbank (NÖ Hypo Bank) aufgeteilt. Letztere sollte verkauft werden.. .

Diese Teilung war gar nicht leicht und mit hohen Kosten verbunden. Ein Verkauf steht aber derzeit nicht mehr zur Diskussion.

In jüngster Zeit gab es heftige Kritik seitens der SPNÖ, dass 10 Millionen Euro für das Ausscheiden von zehn Vorständen vergeudet wurden.

Das ist absoluter Unsinn. Durch das Ausscheiden der Volksbanken, die die industrielle Führerschaft hatten und zwei Vorstände (Wilhelm Miklas, Werner Schmitzer) stellten, sind diese beiden Vorstände ausgeschieden. Die Ansprüche von Miklas wurden von den Volksbanken bezahlt, für den Abgang von Schmitzer mussten wir rund 1,5 Millionen zahlen.

Von den beiden restlichen Vorständen Günter Matuschka und Richard Juill hat sich der der SP zugerechnete Matuschka bei uns nicht mehr wohl gefühlt und ist ausgeschieden. Das kostete 1,1 Millionen. Er wurde durch Peter Harold ersetzt.

Für eine Übergangsphase wurde noch Herbert Höck als Chef bestellt, das war ein von vornherein zeitlich begrenztes Engagement. Höck ist inzwischen wieder ausgeschieden, was kaum finanzielle Zusatzbelastungen bedeutete.

Alle Maßnahmen wurden im Aufsichtsrat einstimmig beschlossen, auch mit den Stimmen der SP-Aufsichtsräte. Diese sind inzwischen allerdings ausgeschieden und wurden nicht mehr ersetzt.

Und in der Retailbank?

In dieser haben wir derzeit drei Vorstände. Im Aufsichtsrat gibt es nach wie vor zwei SP-Aufsichtsräte.

Was haben all diese Maßnahmen bisher gekostet?

Unter dem Strich etwa drei Millionen.