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Vulkan machte die Bahn frei für Dinosaurier

Von Roland Knauer

Wissen

Massenaussterben auch vor | 201 Millionen Jahren.


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Berlin. Die Vulkanausbrüche vor 201 Millionen Jahren übersteigen die Vorstellungskraft: Mitten in einem Superkontinent, genannt Pangäa, öffnete sich die Erde. Zwischen drei und elf Millionen Kubikkilometer Lava verteilten sich in kurzer Zeit auf über elf Millionen Quadratkilometer. Die Menge reicht aus, um Europa unter einer 300 Meter bis einen Kilometer dicken Basaltschicht zu begraben. Entlang der Ausbruchslinie brach der Kontinent, ein neuer Ozean entstand. Die Eruptionen hatten einen großen Teil des Lebens ausgelöscht - und damit den Weg für die Dinosaurier frei gemacht.

Erst kürzlich hatte ein internationales Forscherteam bewiesen, dass der Meteoritentreffer und das Massensterben vor 66 Millionen Jahren zeitgleich passierten. Einen solchen Zusammenhang liefert Terrence Blackburn vom Massachusetts Institute of Technology und sein Team nun auch für die Zeit vor 201 Millionen Jahren.

Um das Alter der geflossenen Lava zu bestimmen, untersuchten sie Basaltschichten in Nordamerika und Afrika. Schließlich hatte die gewaltige Eruption Pangäa auseinander gerissen: Im Norden löste sich eine Landmasse - das heutige Nordamerika und Europa - von einem aus dem modernen Südamerika und Afrika bestehenden südlichen Kontinent. Später vergrößerte sich der Bruch weiter, trennte im Norden auch Amerika von Europa sowie im Süden Afrika von Amerika. Zwischen den Kontinenten hat sich der Atlantik breitgemacht, in dessen Tiefen immer noch jährlich Kubikkilometer Magma aufquillt und so die Kontinente weiter auseinander drückt.

Am Beginn der Entwicklung könnte ein "Plume" gestanden sein. Tief aus dem Erdmantel steigt zähflüssiges Gestein auf, schmilzt die darüber liegende feste Erdkruste teils auf und erzeugt Lavaströme, die sich an die Erdoberfläche ausbreiten. Karsten Haase und sein Team von der Uni Erlangen-Nürnberg hatten zuvor berichtet, dass der Erdmantel damals unter der Bruchstelle bis zu 150 Grad Celsius heißer als heute gewesen sein muss. Dadurch wurde mehr Gestein als derzeit geschmolzen.

Nach den Dinos der Mensch

In dem nun untersuchten Basalt kommen Spuren des Minerals Zirkon vor. Darin enthaltenes Uran ist seit dem Erkalten der Lava in einem natürlichen radioaktiven Prozess zu Blei zerfallen. Da die Geschwindigkeit des Vorgangs bekannt ist, konnten die Forscher aus der Bleimenge feststellen, dass vor 201,5 Millionen Jahren erstmals gigantische Lavamengen strömten. Drei weitere Eruptionen förderten 60.000, 270.000 und 620.000 Jahre später nochmals unvorstellbar viel zähflüssiges Gestein aus der Tiefe, berichten die Forscher nun in "Science".

Der erste Riesenausbruch fiel mit einem Massensterben zusammen, das Paläontologen schon lange kennen. Offensichtlich hatte diese Eruption schlagartig mindestens 800.000 Kubikkilometer Lava gefördert und dabei so viel Kohlendioxid in die Luft geschleudert, dass der Treibhauseffekt die Temperaturen rasch in die Höhe trieb. Gleichzeitig wurde Schwefeldioxid freigesetzt, das als Regen die Ozeane übersäuerte. Bis zu 80 Prozent aller Arten überlebten dies nicht.

Die nächsten drei großen Eruptionsphasen trafen auf eine Natur, die sich gerade von ihrem furchtbaren Aderlass erholte. Gewinner waren die überlebenden Dinosaurier, die die nächsten 136 Millionen Jahren des Lebens auf dem Globus dominierten. Bis sie einem Asteroiden zum Opfer fielen, worauf sich Säugetiere und Menschen ausbreiteten.