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Wachstum ist nicht alles

Von Daniel Bischof

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Amsterdam, Barcelona, Venedig: In europäischen Städten führt der Tourismusboom zu einem Umdenken. Weg vom reinen Fokus auf steigende Nächtigungszahlen, hin zu einem nachhaltigen Tourismus, der die Einwohner miteinbezieht, lautet vielerorts die Strategie. Wien ist anders. Monatlich jubelt WienTourismus über Rekorde, immer neue Millionenmarken werden angepeilt. Das hat einerseits seine Berechtigung: Dass Wien als begehrte Destination gilt, ist schmeichelhaft. Der Tourismus bringt zehntausende Arbeitsplätze und Geld in die Stadt. Auch in anderen Städten verbreitete Probleme, etwa mit Sauftouristen, zeigen sich kaum.

Andererseits kann bei einem rapiden Wachstum die Balance schnell verloren gehen. In der Innenstadt wächst bei Anrainern der Unmut, besonders im Winter ist die City heillos überfüllt. So manche Straße verliert angesichts touristischer Ramschläden und Essenstempel an Charme. Und der Billigtourismus wird zunehmen, wenn immer neue Millionen in die Stadt drängen. Es braucht daher ein noch stärkeres Abrücken vom Zahlenfetischismus. Erste Maßnahmen wie die Steuerung von Besucherströmen und Limits bei Airbnb-Vermietung sind lobenswert, dürfen aber nicht zu PR-Lüftchen verkommen. Denn die Erfahrung aus anderen Städten zeigt: Ist der Geist des Overtourism erst aus der Flasche, ist er nicht mehr einzufangen.