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Waffengeschäft mit Israel blühte

Von Ulrich W. Sahm

Politik

Georgische Migranten vertieften Militärbeziehungen. | Verteidigungs- ministerium will keinen Lieferstopp. | Jerusalem. (apa) Die "Grusinier" haben keinen allzu guten Ruf in Israel. Deutsche Polenwitze klingen harmlos im Vergleich zu den Witzen, die man sich in Israel über die "Grusinier" erzählte, als massenweise georgische Juden nach dem Zusammenbruch der UdSSR einwanderten. Lasha Gevnia, vor zwei Jahren noch Botschafter in Tel Aviv und heute Abgeordneter im georgischen Parlament, ärgerte sich so sehr über die abschätzigen Geschichten, dass er offiziell beim israelischen Außenministerium beantragte, sein Land künftig nur noch Georgien zu nennen und nicht mehr "Grusia". Der Bitte wurde stattgegeben.


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Viele nach Israel eingewanderte Georgier waren Geschäftsleute und so entwickelten sich vor etwa sieben Jahren enge Militärbeziehungen. Georgien galt als freundschaftlich gesinntes Land mit relativ viel Geld, dem ohne Bedenken militärische Hightech verkauft werden könne. Nach Angaben von Debka, eines unzuverlässigen Pressedienstes für geheimdienstliche Angelegenheiten, sind bis zu tausend israelische Ausbilder in Georgien tätig. Israel verkaufte an Georgien eine unbekannte Zahl Drohnen (unbemannte Flugzeuge) vom Typ Hermes 450, ebenso wie Raketenwerfer und Schnellfeuergewehre. Israels Wehrtechnikfirma Elbit habe außerdem georgische Kampfflugzeuge auf den neuesten Stand gebracht.

Das Volumen der Waffengeschäfte Israels mit Georgien beläuft sich laut der Zeitung "Haaretz" auf 200 Millionen Dollar (132,7 Millionen Euro) im Jahr. Die größten Waffenlieferanten Georgiens seien allerdings die USA und Frankreich.

Rücksicht auf Moskau

Auch die israelische Luftwaffenindustrie versuchte in Georgien Fuß zu fassen, stieß aber beim israelischen Verteidigungsministerium auf Ablehnung. Alle Waffengeschäfte müssen genehmigt werden. Es sei auf Russland Rücksicht zu nehmen, das seine Kampfmaschinen ebenfalls in Israel mit westlicher Technologie ausstatten lässt.

Im Mai beschloss Jerusalem, nur noch defensive Waffensysteme an Georgien zu verkaufen: Spionageanlagen, Funksysteme und Computer aber keine Gewehre, Kanonen und Granaten. Und am Wochenende empfahl das israelische Außenministerium einen völligen Lieferstopp. Israels Diplomaten fürchten russische Vergeltung gegen Jerusalem, indem Moskau seine Restriktionen für Waffenverkäufe an den Iran oder gewisse arabische Länder aufheben könnte. An die Empfehlung wollte sich das Verteidigungsministerium vorerst aber nicht halten.