Zum Hauptinhalt springen

Waldviertel: Viele Möglichkeiten

Von Rosa Eder

Wirtschaft

Das Waldviertel hat von der Ostöffnung bisher weniger profitiert als andere Grenzregionen Österreichs wie etwa das Burgenland oder die Südsteiermark. Die bevorstehende Erweiterung der Europäischen Union eröffnet dem Viertel im Norden Österreichs besondere Chancen.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 20 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Der Standortvorteil des Waldviertels, wo 225.000 Menschen - das sind 14,5% der niederösterreichischen Bevölkerung - leben, lag traditionell in den relativ niedrigen Arbeitskosten. Dieser Vorteil ging mit der Ostöffnung verloren. Die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft könne daher nur durch gezielte Maßnahmen der Struktur- und Wachstumspolitik sichergestellt werden, geht aus einer Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo) hervor. Dank bildungs- und strukturpolitischer Weichenstellungen in den neunziger Jahren seien die Voraussetzungen dafür im Bereich der Humanressourcen gut. Land- und forstwirtschaftliche Schulen wurden geschlossen, dafür wurde in Handelsakademien und Ausbildungsstätten für Ernährungswissenschaften, soziale Berufe und Pflegeberufe sowie im Umweltbereich investiert, erklärt Wifo-Expertin Gudrun Biffl im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Der Haken dabei: "Es gibt im Waldviertel gut qualifizierte junge Leute, aber die wandern ab, weil es keine adäquaten Jobs gibt." Auch die technische Qualifikation sei bisher vernachlässigt worden, etwa durch die Etablierung der Schulform HTL. Die flexible spezialisierte Weiterbildung von Absolventen einer technisch-gewerblichen Lehre könnten dazu beitragen, dass Betriebe mit höherwertiger Produktionstechnologie ein ausreichend qualifiziertes Arbeitsangebot vorfinden.

Region als Einheit

Damit die Waldviertler Klein- und Mittelbetriebe die künftigen Chancen besser nutzen können, sollte eine "Plattform Waldviertel" geschaffen werden, so Biffl. Und die KMUs sollten in Hinblick auf die EU-Osterweiterung künftig nicht mehr nur für den lokalen Markt produzieren.

Nach wie vor sind laut Wifo überdurchschnittlich viele Beschäftigte in schrumpfenden Branchen (Textil, Bekleidung, Elektro) tätig. Wachstumschancen ergeben sich in der höherwertigen technischen Fertigung sowie in unternehmensnahen Dienstleistungen, vor allem bei Finanzdienstleistungen.

Die Erleichterung des Zugangs zu den Märkten Tschechiens durch die EU-Erweiterung könne Waldviertler Unternehmen ebenfalls Wachstumschancen eröffnen. Auch das Waldviertler Tourismusangebot könne aus der bequemen Erreichbarkeit von Destinationen jenseits der Grenze Vorteile ziehen. Am Wachstum des Wellness-Tourismus kann die Region teilhaben, wenn die Anfahrtszeit von internationalen Verkehrsachsen speziell im Nordwesten verkürzt und die Qualität des Angebots angehoben wird. Die traditionell große Bedeutung der Landwirtschaft kann zu einer Neuorientierung am biologischen Landbau, der gesundheitsorientierten Ernährungswissenschaft und der Vermarktung regionaler landwirtschaftlicher Produkte genutzt werden, um die Wachstumschancen, die sich aus dem Tourismus ergeben, zu nutzen.