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Was 1906 mit einigen Mitarbeiterinnen und Handstrickmaschinen begann, ist heute ein florierendes Familienunternehmen mit Stammsitz in Schwaz/Tirol. Der Walk- und Strickmodenhersteller Geiger hat es geschafft, ein typisch österreichisches Produkt weltweit bekannt zu machen - den Walk.
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"Walk ist ein schwieriges Wort", betonte Firmenchef Hansjörg Geiger kürzlich. Die Verwechslung mit Loden und die Assoziation mit Tracht sei ihm nämlich gar nicht recht. Besonders die Tracht sei eine "zu enge Schublade", in die sich der Seniorchef des Unternehmens nicht gerne stecken lässt. Und dass ihm der "Ausbruch" aus dieser Lade gelungen ist, zeigt der Erfolg des Unternehmens: In mehr als 39 Ländern verkaufen Geiger-eigene Boutiquen die Kollektionen, mehr als 2.000 Geschäfte weltweit führen Geiger-Mode.
Der Hauptbetrieb in Schwaz bei Vomp beschäftigt 290 Mitarbeiter auf rund 20.000 m² Betriebsfläche. Der aktuelle Umsatz liegt bei 470 Mill. Schilling. Die Hauptexportmärkte sind die USA, Fernost und die EU. Der Exportanteil liegt bei 88%. Der Anfang der 80er Jahre in Vermont/USA errichtete Zweigbetrieb beschäftigt 70 Mitarbeiter und erwirtschaftete zuletzt einen Umsatz von 10 Mill. Dollar.
Silberner "Kürenwalk" für die Erler Opernbühne
Pro Jahr werden rund 4 Mill. km Wolle verstrickt und 420 km Stoff verarbeitet, die Chefdesignerin Barbara Geiger, die Tochter des Eigentümers, in international gefragte Kollektionen umsetzt. Seit vergangenem Jahr hat sie allerdings einen zusätzlichen Bereich für Walk gefunden: Geiger stattet die Sänger der Passionsspiele in Erl aus. Kostümbildnerin Lenka Radecky-Kupfer kleidete heuer Richard Wagners "Walküre" samt ihren Schwestern, Siegmund, Sieglinde und Göttervater Wotan in Kostüme aus feinfließendem, mit Tausenden silbernen Lurexfäden durchsetzten Walk - den "Kürenwalk". Im vergangenen Jahr sangen die Protagonisten aus Wagners "Götterdämmerung" in Tiroler Walk. Und auch die Pfarrkirche in Erl erhielt zwecks besserer Akustik ein "Walkgewand": Rund 300 kg Stoff in verschiedenen Rot-, Flieder- und Blautönen, die an der Wand, der Balustrade und auf den Kirchenbänken drapiert sind, schaffen einen idealen Klangraum für die dort stattfindenden Konzerte.
Geiger sen. schätzt die Herausforderung aus dem Bereich der Kunst: "Es bringt Knistern ins Unternehmen und gibt der Marke Spannung". Denn der Modediktatur unterwirft er sich nicht - Geiger stehe für Authentizität: "Wenn die Modeheftln bis zum Plafond reichen, dann werden sie umgedreht und alles fängt wieder von vorne an", ein Prinzip, dem er sich seit Jahren erfolgreich widersetzt. Denn Geiger mache keinen Modestil, sondern einfach Geiger - und das würden Kunden weltweit schätzen.
Die Kunst des "Walkens"
Bereits die alten Ägypter kannten die Kunst des Walkens: Sie verdichteten Gewebe, indem sie sie in Flüssigkeit stampften. Diese Arbeit wurde im 12. Jahrhundert von Mühlen übernommen. Der heute bekannte Walkstoff stammt von Tiroler Bergbauern und besteht aus Schafwolle, die mittels Wasser und Wärme künstlich verfilzt wird. Der Unterschied zu Loden besteht im Ausgangsmaterial: Walk wird aus gestrickter Wolle gemacht, Loden dagegen aus gewebter. Und damit die Qualität des Geiger-Walk auch in Zukunft so bleibt, arbeitet bereits die vierte Generation im Unternehmen.
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