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Wann ist der Börsenspuk vorbei? Die politischen Eliten haben’s in der Hand

Von Karl Leban

Analysen

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Seit Anfang August geht es an den Börsen steil bergab. Es ist ein Crash in Raten, der in seiner Heftigkeit fast an die dramatische Zeit nach dem fatalen Lehman-Kollaps 2008 erinnert. Binnen weniger Tage sind die Aktien-Indizes weltweit abgestürzt, um bis zu 20 Prozent und mehr.

Rund um den Globus haben sich durch die herben Kursverluste bereits mehrere Billionen Euro buchstäblich in Luft aufgelöst. An der Wiener Börse, wo der Leitindex ATX am Dienstag erstmals seit Juli 2009 zwischenzeitlich unter die Marke von 2000 Punkten fiel, sind es gut sechs Milliarden Euro.

Ob der Spuk bald wieder vorbei ist, wagt unter Fachleuten momentan niemand vorauszusagen. Faktum ist: Die Nervosität bei den Anlegern ist groß, und phasenweise schlägt sie sogar in Panik um.

Deshalb könnten die Kurse noch viel tiefer in den Keller rasseln. Denn an den Börsen wird schließlich seit jeher einzig und allein Zukunft gehandelt. Und um die scheint es aus Sicht der Investoren alles andere als gut bestellt. Auf den Märkten macht sich zunehmend Angst vor einer Rezession breit. Die jüngste Herabstufung der US-Bonität war da nur das Tüpferl auf dem i. Viele Börsianer befürchten, das dringend nötige Sparen zahlreicher schuldengeplagter Staaten werde die Weltkonjunktur abwürgen.

Das überaus Gefährliche dabei: "Wenn alle glauben, dass alle glauben, dass es schlechter wird, dann wird es schlechter", meint Wolfgang Leitner, Hauptaktionär und Chef des börsennotierten Andritz-Konzerns. Dann könnte es so wie im Rezessionsjahr 2009 erneut zu einem starken Abdriften der globalen Konjunktur kommen. Stimmungen spielen nämlich nicht nur an den Börsen eine wichtige Rolle, sondern generell im gesamten Wirtschaftsleben.

Freilich: Je tiefer die Aktienkurse fallen, desto höher wird auch die Wahrscheinlichkeit, dass eine – zumindest kurzfristige – Gegenbewegung einsetzt. Denn gegenwärtig deutet nichts auf eine weitere Wirtschaftskrise hin, was die Kursturbulenzen rechtfertigen würde. Rein fundamental hat sich an der realwirtschaftlichen Entwicklung zuletzt nichts geändert, was der Börsenwelt nicht schon längst bekannt gewesen wäre.

Deshalb kam es an den Märkten am Dienstag auch zu einem wilden Auf und Ab der Kurse, bei dem in Europa sowohl Indizes als auch Einzelwerte am Vormittag zunächst in rasantem Tempo abstürzten, ehe sie am Nachmittag zum Teil in den grünen Bereich drehten. Offensichtlich ist: Die Pessimisten und die Optimisten unter den Investoren liefern sich einen Richtungsstreit.

Wie dieser Streit letztlich ausgeht, liegt nun in den Händen der politischen Eliten in Europa und den USA. Schaffen sie es nicht, angemessene Lösungen für die Staatsschuldenkrise zu finden, wird sich das Drama an den Börsen fortsetzen. Dann droht auch die befürchtete Rezession real zu werden.