Zum Hauptinhalt springen

Wann ist der Spuk an den Börsen vorbei?

Von Karl Leban

Analysen

Die Nerven flattern, und die Hände sind zittrig: An den Aktienbörsen wird im Moment auf Teufel komm raus verkauft - zu wohl nie geahnten Kursen, die immer tiefer und tiefer in den Keller rasseln.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 17 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Die Panik hat jetzt Hochsaison. Was in den Kursen dieser Tage gnadenlos eingepreist wird, sind die allerschlimmsten Befürchtungen für die Weltwirtschaft. Und diese haben sich im Markt mittlerweile so stark verfestigt, dass die internationalen Börsen nun kein Halten mehr kennen.

Der große Ausverkauf

Die Angst, das globale Finanzsystem könnte einstürzen und die Realwirtschaft mit in die Tiefe reißen, hat sich im übrigen schon seit längerem aufgebaut und zuletzt mehr und mehr vertieft - genau genommen seit dem Platzen der US-Immobilienblase im Sommer 2007. Das, was sich an den Börsen derzeit abspielt, ist denn auch die Beschleunigung des bereits seit gut einem Jahr währenden Ausverkaufs von Aktien ("Salami-Crash").

Beobachtet man den aktuellen Preisverfall bei vielen Einzelwerten, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass offensichtlich da und dort inzwischen Insolvenz-Szenarien durchgespielt werden. Auch wenn es sich - so wie beispielsweise an der Wiener Börse - um kerngesunde Unternehmen handelt.

Bestes Beispiel dafür ist die Voestalpine: Die Aktie des heimischen Stahlkonzerns, der nach wie vor volle Auftragsbücher hat, auf hohen Cash-Beständen sitzt und exzellent verdient, ist seit dem Rekordhoch im Vorjahr bereits um rund 75 Prozent nach unten geprügelt worden.

Der Unterschied zur Immofinanz-Aktie, die gerade noch zu rund einem Zehntel ihres früheren Spitzenwerts gehandelt wird, ist jedenfalls nicht mehr groß. Dem Immobilien-Riesen Immofinanz sagen Analysten freilich eine "Liquiditätskrise" auf Grund der allgemeinen Kreditklemme nach.

Wie verrückt die Aktienmärkte spielen, zeigt auch, dass das Notpaket für die taumelnden US-Banken, die Milliarden-Geldspritzen der Zentralbanken und weltweit koordinierte Zinssenkungen die drastische Talfahrt nicht stoppen konnten. Niemand kann daher seriös abschätzen, wie tief die Kurse noch fallen werden.

Die Märkte übertreiben

Die Heftigkeit der Bewegungen und die hohen Handelsumsätze deuten aber darauf hin, dass der Boden allmählich erreicht werden könnte. Zumindest historisch gesehen standen extreme und irrationale Entwicklungen - egal ob es nun nach unten oder nach oben ging - stets am Ende eines Trends. Und das wird wohl auch diesmal so sein.

Der Markt tobt sich ja in beide Richtungen aus - so wie jetzt nach unten, aber auch nach oben - und übertreibt dabei. Der Grund dafür ist simpel: Die Kurse bewegen sich nämlich immer zwischen Angst und Gier.