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Wann ist es Zeit für einen Jobwechsel?

Von Sophia Freynschlag

Wirtschaft

Wer nur ein Jahr bei einer Firma bleibt, hat schlechte Karten bei der Bewerbung.


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Wien. Schon am Sonntagabend graut einem vor dem Beginn der Arbeitswoche, und am Montagmorgen melden sich Bauchschmerzen auf dem Weg zum Unternehmen. "Spätestens, wenn sich Mitarbeiter in ihrem beruflichem Umfeld nicht mehr wohlfühlen und die Arbeit keinen Spaß mehr macht, sollten sie einen Jobwechsel überlegen", sagt Klaus Lercher, Geschäftsführer des Personaldienstleisters Trenkwalder. Denn die beruflichen Sorgen schlagen sich häufig auf die Gesundheit nieder und sorgen für Schlafprobleme, Magen- oder Kopfschmerzen.

Schlafstörungen können ein Anzeichen sein, dass Beschäftigte reif für einen Arbeitsplatzwechsel sind.
© © Dan Race - Fotolia

Neben Frust am Arbeitsplatz kann auch die Frage, ob woanders ein besserer Job wartet, Auslöser für die Suche nach einer neuen Stelle sein. "Doch nicht immer ist dieser Schritt auch die beste Lösung", warnt der Münchner Karriereberater Sascha Schmidt. "Nicht selten ist der Beruf der Buhmann für etwas anderes, was im Leben fehlt." Er rät, einen Monat lang darauf zu achten, wie häufig man sich mit Frust in die Arbeit schleppt - und nachzudenken, was man selbst tun könnte, um mehr Freude zu empfinden. Schon kleine Veränderungen wie ein neues Hobby, ein Ehrenamt oder Sport könnten zu mehr Zufriedenheit im Leben führen.

Wer nicht bereit ist, für einen Jobwechsel Opfer zu bringen, beispielsweise Geld in Weiterbildung zu investieren, ist laut dem Coach (noch) nicht reif für eine große Veränderung.

Wer sich unterfordert fühlt, ist vielleicht selbst schuld

Bei Über- oder Unterforderung sollten Mitarbeiter das Gespräch mit dem Vorgesetzten suchen und klären, ob bei Überlastung Aufgaben an andere Mitarbeiter delegiert oder bei Unterforderung zusätzliche Aufgaben übernommen werden können. "Bei geringer Auslastung kann man sich auch fragen, ob man die übertragenen Aufgaben eventuell umfangreicher behandeln könnte", sagt Florens Eblinger, Geschäftsführer der Personalberatung Eblinger & Partner.

Allerdings warten Österreicher typischerweise lange zu, bis sie sich zu einer beruflichen Veränderung durchringen können: "Der Druck muss groß sein", sagt Lercher. Doch je länger zugewartet wird, umso schlechter ist oft die Ausgangsposition für die Suche einer neuen Stelle. In einer Rezession sei ein Jobwechsel nicht empfehlenswert, meint Lercher. Herrsche Aufbruchsstimmung, seien die Unternehmen bereit, auch mehr zu zahlen. Auch Eblinger beobachtet, dass "in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nur wenige Arbeitnehmer das Experiment eines Jobwechsels wagen".

Die besten Karten für eine Gehaltssteigerung haben Beschäftigte, die vom Unternehmen geholt werden. "Personalchefs haben eine genaue Gehaltssumme im Kopf, wie hoch eine Position dotiert ist", sagt Eblinger. Fordert der Bewerber mehr Geld, muss er gute Argumente wie langjährige Erfahrung oder (Zusatz-)Ausbildungen vorweisen - oder sich für eine Stelle mit wenigen geeigneten Interessenten bewerben.

Gegenangebote machen für Arbeitgeber nur selten Sinn

Wechselwillige Mitarbeiter lassen sich durchaus von einem besseren Gegenangebot ihres aktuellen Arbeitgebers umstimmen, heißt es vom Personaldienstleister Robert Half. Knapp ein Drittel der deutschen Beschäftigten zieht die Kündigung daraufhin zurück, im Europa-Durchschnitt lässt sich ein Viertel zum Bleiben bewegen.

"Gegenangebote machen aber nur bei Mitarbeiter Sinn, die für das Unternehmen unentbehrlich sind", sagt Eblinger. Wenn Mitarbeiter ihren Arbeitgeber mit einem Angebot eines Konkurrenzunternehmens unter Druck setzen wollen, hält er das hingegen für "die falsche Taktik".

Nach drei Jahren in einer Firma sollten sich Mitarbeiter regelmäßig fragen, ob sie mit ihrer Position noch zufrieden sind. Wer häufig - also mehrmals nach nur einem Jahr - das Unternehmen wechselt, gilt laut Eblinger als Jobhopper und wird wahrscheinlich nicht zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen. Loyalität zeigt man im Lebenslauf mit vier, fünf oder sechs Jahren Tätigkeit in derselben Firma. Fühlt sich ein Beschäftigter in seinem beruflichen Umfeld wohl, muss er allerdings auch nach zehn Jahren beim selben Betrieb keine Angst haben, auf dem Arbeitsmarkt unvermittelbar zu sein - solange er sich innerhalb des Unternehmens in verschiedenen Positionen weiterentwickelt hat.