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Warnung vom Latrinendienst

Von Christina Böck

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Man kann wahrscheinlich ohne viel Widerrede behaupten: Wenn ein Unterhaltungsprogramm auf Körperausscheidungen zurückgreifen muss, dann ist das schon ein eher schlechtes Zeichen. Also außer, man befindet sich im Sesselkreis im Kindergarten, da sind Gacki-Lulu-Diskurse noch im gesellschaftlich akzeptablen Rahmen. Anders verhält es sich im RTL-Dschungelcamp, wo seit Beginn der neuen, immerhin schon neunten Staffel, Exkremente zum tragenden inhaltlichen Element werden.

Naja!, werden jetzt viele aufschreien. Wie war das noch mit dem Kindergarten? Nun ist das natürlich eine legitime Frage, ist doch diese Reality-Show durchaus an archaischen Prinzipien orientiert. Was passiert, wenn man Menschen bei sehr wenig Nahrung und sehr viel Langeweile zusammensperrt? Dass die ein paar Entwicklungspurzelbäume rückwärts schlagen, ist keine Überraschung. Und kein Zufall. Denn "Ich bin ein Star, holt mich hier raus" ist normalerweise ein ausgeklügeltes Format. Da wird hinter den Kulissen hart daran gearbeitet, in welche Richtung die Provokation ausschlagen soll. Das war in den vergangenen Jahren immer sehr erfolgreich und brachte die Show in Medien und Feuilletons, die sich sonst nicht prioritär mit Trash-TV befassen. Doch diesmal: Ödnis. Fadesse. Dröhnende Langeweile. Kein einziger österreichischer Kandidat (mit Hausbursche). Die Gagschreiber, ein Garant für den Erfolg beim intellektuelleren Publikum, sind offenbar alle eingespart worden. Und die Regie versucht sich allein mit dem Griff ins Klo zu retten. So empfiehlt sich der Dschungel für die letzte Spülung.