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Warnung vor nächster Energiekrise

Von Harald Waiglein

Wirtschaft

CO2-Ausstoß steigt in nächsten Jahren rasant an. | Abhilfe: Energiesparen, Atomkraft, erneuerbare Energien, saubere Kohle. | Paris/Wien. Während die Ölpreise neue Rekordstände erreichen - in den USA 98,62 Dollar pro Barrel, in Europa 95,19 Dollar - hat die Internationale Energieagentur (IEA), eine Unterorganisation der OECD, ihren jährlichen Weltenergiebericht veröffentlicht.


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Der Bericht warnt so eindrücklich wie noch nie vor einem weiteren ungezügelten Wachstum des weltweiten Energieverbrauchs. Dieses hätte "alarmierende Folgen", so die IEA.

Sollten die Regierungen der Welt keine Schritte unternehmen, um das Wachstum des Energieverbrauchs zu dämpfen, dann wird die Welt im Jahr 2030 um 55 Prozent mehr Energie verbrauchen als heute. Da der Großteil der Energie aus Kohle und Öl kommt, wird das auch zu einem kräftigen Anstieg der CO 2 -Emissionen (plus 57 Prozent, siehe Grafik) führen.

Die industrialisierten Länder tragen relativ wenig zur künftigen Entwicklung bei: 74 Prozent des zusätzlichen Energieverbrauches wird auf das Konto von Entwicklungsländern gehen - vor allem auf jenes von China und Indien, die gemeinsam 45 Prozent des zusätzlichen Energieverbrauches bis 2030 verantworten werden.

Treibhausgas aus China

Die rasante wirtschaftliche Entwicklung in China und Indien wird dazu führen, dass China bereits nach 2010 die USA als weltweit größter Energiekonsument überholen wird. Ähnliches gilt für den Ausstoß von Treibhausgasen: Bereits im nächsten Jahr wird China zum weltweit größten Emittenten von CO 2 werden - wenn auch, wie die IEA anmerkt, die Emissionen pro Kopf nach wie vor nur 40 Prozent des Wertes der USA ausmachen. Indien wird etwa 2015 auf Platz 3 der größten Emittenten aufrücken.

Die IEA betont, dass die Energievorräte ausreichen, um den Nachfragezuwachs bis 2030 abzudecken. Die Voraussetzung ist aber, dass rechtzeitig in künftige Förderkapazitäten investiert wird. Ansonsten könne "ein Angebotsengpass in der Zeit bis 2015, der einen abrupten, starken Anstieg der Ölpreise auslösen würde", nicht ausgeschlossen werden.

OPEC wird wichtiger

Die Ölabhängigkeit vom Nahen Osten werde steigen, sagt die IEA voraus. Mehr als die Hälfte des weltweiten Ölbedarfs wird 2030 von der OPEC gedeckt werden. Heute sind das 42 Prozent. Beim Preis sieht die IEA allerdings mittelfristig eine Entspannung: Das Barrel soll mittelfristig etwa 75 Dollar kosten, bis 2030 werde der Preis durch die Erschließung neuer Lagerstätten dann auf 62 Dollar sinken (inflationsbereingt, wohlgemerkt - nominell wird 2030 das Barrel 108 Dollar kosten).

Abhilfe vor der Energiekrise und dem Klimawandel könnten mehrere Maßnahmen schaffen, meint die IEA. Am billigsten und einfachsten wären Energiespar-Maßnahmen. Aber auch der Ausbau von erneuerbaren Energien und Atomkraft sowie die CO 2 -Abspaltung und Speicherung bei der Kohleverbrennung (die sogenannte CO2-Sequestration) würden wichtige Beiträge leisten. Bei der CO 2 -Sequestration müsste allerdings erst die ökonomische Machbarkeit bewiesen werden.

An die Regierungen der Welt richtet die IEA einen dringenden Appell: "Resolute, sofortige und konzentrierte Maßnahmen sämtlicher Regierungen sind unerlässlich, um die Welt auf einen nachhaltigeren Energiepfad zu lenken", so die Organisation. Bislang sei mehr geredet als gehandelt worden. Würde alles, was diskutiert wird, umgesetzt, würden sich die Emissionen bis 2015 stabilisieren, allerdings auf einem Wert, der etwa 27 Prozent über dem heutigen liegt.