Zum Hauptinhalt springen

Warum Frau K. sauer ist

Von Christa Karas

Wissen

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 19 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Frau K. ist derzeit nicht gut zu sprechen auf "ihren Partner in Sachen Gesundheit", die Wiener Gebietskrankenkasse. Wie alle dort Versicherten hat sie dieser Tage Post von ihm bekommen und von daher, wie aus anderen Gründen schon öfter, das Gefühl, dass es um die WGKK so schlecht nicht bestellt sein kann, wenn diese die Mittel für solche Aktionen hat.

Im "Leistungsblatt" - "dient ausschließlich zu Ihrer Information!" - wird negativ bilanziert, dass Frau K. die Kasse im Jahr 2003 gekostet hat: 20.38 Euro für eine Laboruntersuchung, 88,61 Euro für ihren schwerst unterbezahlten Allgemeinarzt sowie 105.30 Euro für Heilmittel in ihrer namentlich genannten Stamm-Apotheke.

Natürlich kann die WGKK nicht wissen, dass Frau K. in ihrer steten Besorgnis um deren wachsendes Budgetloch seit Jahr und Tag auf einen Großteil der ihr zustehenden Leistungen verzichtet. Im Jahr 2003 waren das zum Beispiel 706 Euro allein für die Diagnose eines Facharztes plus eine weitere Untersuchung und einen notwendigen operativen Eingriff sowie die Nachsorge durch einen anderen. Ganz zu schweigen von den Facharztkosten für Kontrolluntersuchungen, die Frau K. schon deshalb selbst bezahlen muss, weil sie eine Frau ist und die wenigsten GynäkologInnen "auf den Schein" abonniert sind. Macht auch bei jedem Besuch so um die 120 Euro aus.

Frau K. ist aber auch nicht mehr die jüngste und legt daher monatlich gut 50 Euro für Hormonersatzpräparate aus ihrer Börse ab. Und sie benötigt ein Dauermedikament, das sie auch meist selbst bezahlt (27 Euro pro Monatsdosis), weil sie ihren Arzt nicht ständig mit der Bitte um's Rezept nerven will, das er auf WGKK-Geheiß nur einmal im Monat ausstellen darf, und weil sie in der Apotheke so bekannt ist, dass man dort halt nur gelegentlich darauf besteht. Hat von daher im Vorjahr, über den Daumen gepeilt, also rund 1.600 Euro ausgemacht, die sie der WGKK als kostenbewusster Mensch erspart hat.

Zu diesem und zum aufgestauten Ärger über Briefe, die sie zum Kassenarzt zitieren wollen, wenn sie längst schon wieder arbeitet (mehr als höchstens fünf Tage ist sie kaum je krank, weil sie auch Grippe- und andere Impfungen bzw. Vorsorgemedikamente selbst berappt) kommt aber noch jener, dass hier recht leichtfertig mit dem Datenschutz umgegangen wird: Nicht erst einmal hat es Frau K. nämlich erlebt, dass die WGKK-Post falsch zugestellt wurde und sie erst mit tagelanger Verspätung erreichte... Und ihr einmal sogar von einem in der Nachbarschaft wohnenden Kollegen überbracht wurde, der sie dort unter den Briefkästen gefunden hatte.