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Die Studie, die der britische Ökonom Nicholas Stern vor kurzem über die Kosten des Klimawandels vorgelegt hat, schlug international beträchtliche Wellen. Viele Medien gaben die zentrale Aussage wieder: Der Klimawandel könnte in den nächsten zwei Jahrhunderten Kosten zwischen 5 und 20 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung verursachen. Klimaschutzmaßnahmen hingegen würden nur etwa ein Prozent der globalen Wirtschaftsleistung kosten, weshalb sie ökonomisch sehr sinnvoll wären.
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Was in der medialen Berichterstattung allerdings kaum erwähnt wurde, ist das Faktum, dass es abgesehen von Sterns Studie noch eine Reihe weiterer Studien gibt, die allesamt zu anderen Ergebnissen kommen. Sie schätzen die Kosten des Klimawandels weit geringer ein. Teilweise liegen diese sogar unter den Kosten, die Klimaschutzmaßnahmen verursachen würden, wodurch der ökonomische Nutzen solcher Maßnahmen wegfiele.
Prognoserisiko
Ein Beispiel ist eine Studie von Robert Mendelsohn von der US-Universität Yale: Er kommt in seinen Berechnungen zum Schluss, dass die Kosten des Klimawandels auf globaler Ebene bis 2100 zwischen 0,08 und 0,2 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen. Eine weitere Studie kommt vom US-Ökonomen William Nordhaus. Er schätzt die Kosten auf zwei Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Der UNO-Klimaveränderungsausschuss IPCC hat ebenfalls eine Schätzung vorgelegt: Hier liegen die Kosten des Klimawandels in der Bandbreite zwischen 0,2 und 3,5 Prozent des Welt-Bruttoinlandsproduktes.
Warum die Studien zu derart unterschiedlichen Ergebnissen kommen, ist leicht erklärt: Selbst ohne Klimawandel wäre es schon schwer genug, zu prognostizieren, was in den nächsten 100 Jahren passieren wird.
Für eine Kostenschätzung müssen sehr, sehr viele Annahmen in den verschiedensten Bereichen getroffen werden - zum Beispiel, wie sich die Klimaerwärmung auf die Förderung von Bodenschätzen in der russischen Arktis auswirkt, ob mehr oder weniger Touristen nach Italien kommen werden oder ob die Produktion der kanadischen Landwirtschaft steigt oder fällt. Die Wahl der Annahmen hat erhebliche Auswirkungen auf das Ergebnis.
Dasselbe gilt für die Kosten von Klimaschutzmaßnahmen. Sie werden auf 0,2 bis 3 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung geschätzt. Da sich die Kosten über einen sehr langen Zeitraum verteilen, hängt fast alles von der Zinsprognose für die nächsten 100 Jahre ab. Ein Schaden von einer Million Euro in 100 Jahren kostet bei einem Zinssatz von drei Prozent zu heutigen Preisen rund 52.000 Euro. Nimmt man hingegen einen Zinssatz von sechs Prozent an, kostet der Schaden zu heutigen Preisen nur mehr rund 2950 Euro. Beide Ergebnisse sind aus wissenschaftlicher Sicht realistisch. Allerdings lässt sich auf Grund der Bandbreite nicht mehr sagen, ob Klimaschutz letztlich teuer oder billig ist. Seite 26
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