Warum so knausrig beim Homeoffice?

Von Stefan Szauer

Recht
Stefan Szauer ist Partner und Geschäftsführer der Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungskanzlei Mazars Austria.

Gerade einmal 300 Euro pro Jahr sind steuerfrei - das ist wirklichkeitsfremd.


Eines ist fix: Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben. Was in vielen Unternehmen eine rasche Notlösung während der Corona-Lockdowns war, um den Betrieb irgendwie am Laufen zu halten, ist mittlerweile nachhaltig in der Arbeitswelt verankert und nicht mehr wegzudenken: Rund ein Viertel der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer arbeiten regelmäßig von zu Hause, Tendenz stark steigend.

Seit 1. April 2021 ist Homeoffice in Österreich auch gesetzlich geregelt. Es gibt demnach kein Recht auf Homeoffice, und Arbeitgeber dürfen niemanden unfreiwillig ins Homeoffice schicken. Geregelt ist seither auch die steuerliche Behandlung des Arbeitens daheim. Und da zeigt sich die österreichische Bundesregierung kleinlich und knausrig: Gerade einmal 3 Euro pro Tag Homeoffice sind steuerfrei - und das für maximal 100 Tage im Jahr. Strom, Internet, Heizung, Telefon - da deckt die Summe von 3 Euro pro Tag die tatsächlichen Homeoffice-Kosten nicht annähernd ab und ist wirklichkeitsfremd. Alleine die Energiekosten sind in den vergangenen Monaten für viele Haushalte um 30 Prozent und mehr gestiegen. Und so rasch werden die auch nicht sinken.

Während sich die Regierung gerne damit brüstet, etwa bei den ausbezahlten Corona-Hilfen in Europa an der Spitze zu stehen oder rasch einmal die Wohnkostenbeihilfe um 250 Millionen Euro zu erhöhen, liegt Österreich bei der Steuererstattung für Homeoffice ganz hinten. Mit 300 Euro pro Jahr sind wir Schlusslicht. Belgien, Deutschland, Irland - alle liegen deutlich vor Österreich. In Belgien zum Beispiel erhalten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer 1.700 Euro im Jahr für Homeoffice, in Deutschland sind ab heuer 210 Tage Homeoffice mit 1.260 Euro begünstigt.

Drei gute Gründe für eine steuerliche Besserstellung

Gut - wir müssen jetzt nicht bei jedem Ranking unbedingt an erster Stelle stehen, aber wenn jemand Gründe für eine steuerliche Besserstellung von Homeoffice braucht - bitte schön:

Erstens gibt es im österreichischen Steuerrecht das sogenannte Netto-Prinzip. Demnach können Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer alle(!) in Zusammenhang mit dem Erwerb des Einkommens anfallenden Aufwendungen geltend machen. 3 Euro pro Tag sind nicht nur lächerlich wenig, sie widersprechen auch diesem Prinzip.

Zweitens ist Homeoffice Realität - gerade für junge und gut ausgebildete Menschen. Studien zeigen, dass die Produktivität im Homeoffice um nichts niedriger ist. Dazu kommt: Ganz Europa sucht händeringend Fachkräfte - quer über alle Branchen. Gerade Junge sind flexibel und mobil. Sie sind überall gefragt und können sich aussuchen, in welchem Land sie arbeiten. Jeder noch so kleine Standortvorteil zählt in diesem internationalen Wettbewerb. Ist es für Österreich da ein Plus, wenn etwa Deutschland beim Homeoffice steuerlich so viel besser dasteht?

Drittens steuert die Welt auf eine Klimakatastrophe zu. Besonders negativ in die Klimabilanz zahlt der Verkehr ein. Da braucht es dringend Maßnahmen, die gegensteuern. Alleine in Österreich verursacht der Weg zur Arbeit und wieder nach Hause Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Wer im Homeoffice arbeitet, hilft CO2 einzusparen. Auch das sollte - oder eigentlich: muss - umweltpolitisch einen hohen Wert haben und der Regierung auch etwas wert sein.

Pauschale erhöhen, zeitliche Begrenzung abschaffen

Die Homeoffice-Pauschale gehört auf 1.000 Euro angehoben. Auch die zeitliche Begrenzung auf höchstens 100 Tage gehört abgeschafft. Was ist ab dem 101. Tag? Nur noch einmal zur Erinnerung: In Deutschland sind es 210 Tage, die steuerlich begünstigt werden - also de facto eine Homeoffice-Quote von 100 Prozent. Das ist ein richtiger Weg.

Natürlich, viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer machen gerne Homeoffice, weil es für sie angenehmer ist. Warum auch nicht? Eine deutliche Anhebung der Homeoffice-Pauschale begünstigt aber nicht Bequemlichkeit - sie bildet vielmehr die Wirklichkeit ab, fördert höhere Produktivität und hilft den CO2-Ausstoß zu reduzieren.

Die Regierung hat angekündigt, das Homeoffice-Gesetz zu evaluieren und anzupassen. Das ist richtig. Jetzt - anlässlich zwei Jahren Homeoffice-Regelung am 1. April - wäre eine gute Gelegenheit dafür. Auch, dass die Regelung bis 31. Dezember 2023 befristet ist, gehört abgeschafft. Und bei der Gelegenheit könnte man auch gleich den Verwaltungsaufwand für Unternehmen reduzieren: Diese müssen nämlich die Homeoffice-Tage ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eigens dokumentieren.

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