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Im Nachbardorf von ÖVP-Chef Michael Spindelegger gehen die Wogen hoch.
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Gaaden. 1600 Einwohner. Im Süden von Wien. Am Rande des Wiener Speckgürtels die erste richtig ländliche Gemeinde. Ein Gemeindeamt, eine Feuerwehr, ein Sportverein, eine Polizei. Nicht mehr lange. Der Polizeiposten mit sechs Polizisten ist einer von 21 Posten in Niederösterreich, die auf der Streichliste von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) stehen. In Niederösterreich gibt es 537 Gemeinden. Warum ausgerechnet Gaaden?
"Warum nicht Hinterbrühl?", fragt Gaadens Bürgermeister Rainer Schramm. Hinterbrühl. Das Nachbardorf. Gelegen noch vor der Talschneise Richtung Gaaden, mit Mödling nahtlos verbunden. Ein Gemeindeamt, eine Feuerwehr, ein Sportverein, ein Polizeiposten mit acht Polizisten. Auch weiterhin. Deswegen gehen diesen Freitag die Gaadner und nicht die Hinterbrühler gegen die Schließung ihres Postens auf die Straße.
Wo der Speck herkommt
Mit seinen vielen Villen ist Hinterbrühl ein besonders speckiger Teil des Gürtels. Und es ist die Heimat von ÖVP-Chef Michael Spindelegger. Schon machen Verschwörungstheorien in Gaaden die Runde. Muss Gaaden daran glauben, weil es nicht von der ÖVP, sondern einer unabhängigen Bürgerliste regiert wird?
Einige Fakten sprechen dagegen. Hinterbrühl hat 4000 Einwohner - 2500 mehr als Gaaden. Außerdem hat der Gaadner Posten zwei Mann weniger und bei der geplanten Zusammenlegung trifft es natürlich zuerst die kleineren. Und drittens betreute Gaaden auch die Gemeinde Wienerwald mit den Orten Sittendorf, Sulz, Grub, Dornbach und Wöglerin mit und dort regiert die ÖVP.
Schramm lässt das nicht so stehen. Er sieht die Schließung von langer Hand geplant. Denn er habe vor Monaten um zwei weitere Posten für das mit 72 Quadratkilometern weitflächige Betreuungsgebiet angesucht - abgelehnt. Inklusive Zweitwohnsitzen würden dort insgesamt 5500 Einwohner, also mehr als in der Hinterbrühl, leben. Und während Hinterbrühl gleich neben Mödling, Maria Enzersdorf und Brunn liege, allesamt Städte mit großen Polizeiposten, sieht er das abgeschiedenere Gaaden schon als El Dorado für Diebe. "Wir liegen an zwei Autobahnauffahrten. Diebe sind schnell auf der Autobahn und verschwunden. Wenn die Polizei dann auch noch weg ist, wäre das fast eine Einladung."
Vom Nachbarn betreut
Bisher nahmen die Diebe die Einladung nicht an. Auch wenn es auf dem Gaadner Demo-Flyer anders klingt - die Kriminalitätsrate ist vergleichsweise niedrig und war zuletzt stark rückläufig, bestätigt Schramm -, ein weiteres Argument für die Schließung. Außerdem verschwinden die Polizisten nicht. Der Ort dürfte künftig von - erraten - der Hinterbrühl mitbetreut werden, die zwischen zwei und vier Kilometer entfernt liegt; Wienerwald würde dann von Breitenfurt aus betreut. Schon bisher wechselten sich die Gaadner und Hinterbrühler Polizisten bei Nacht- und Wochenenddiensten ab. Als Plan B will der Bürgermeister nun zumindest erwirken, dass die Gaadner nach Hinterbrühl versetzt werden. Polizisten sollen ja nicht reduziert, sondern mobilisiert werden. "Doch wozu dann das Ganze?", fragt Schramm. "Mehr auf der Straße, als unsere Beamten auch bei Nacht waren, geht nicht. Die sind nicht vor dem Fernseher gesessen." Wenn es nur um die Mietersparnis für den Posten gehe - der sei ohnedies im Gemeindeamt.
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