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Warum syrische Rebellen zu Dschihadisten werden

Von David Ignatius

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Viele Aufständischengruppen wären zur Kooperation mit dem pro-westlichen Militärrat bereit, doch die Wahabiten in den Golfstaaten zahlen besser.


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Das Tawafuk-Bataillon der Freien Syrischen Armee führt in Sakhour im Osten der umkämpften syrischen Stadt Aleppo den Kampf an. Es ist laut Tawafuk-Kommandant Mustafa Shabaan dem Militärrat unterstellt.

Ein junger Kämpfer namens Thaer erzählte mir allerdings bei meinem Aufenthalt in Aleppo, dass in Sakhour noch sechs oder sieben andere Bataillone kämpfen. Wer kommandiert diese disparaten Kämpfer? Und was ist mit den Dschihadisten von Jabhat al-Nusra, einer mit der Al-Kaida verbundenen Gruppe? Wer gibt ihnen Anweisungen?

In dieser verwirrenden Szene wird der Kern des Problems sichtbar, mit dem der Aleppo-Militärrat konfrontiert ist, wie andere im Land, die versuchen, den Aufstand der Freien Syrischen Armee gegen Syriens Präsidenten Bashar al-Assad zu koordinieren. Das Problem beginnt bei der Tatsache, dass es sich um eine Revolution handelt, die spontan in verschiedenen Teilen Syriens entstanden ist, wobei jedes Gebiet seine eigenen Truppenverbände aufgestellt hat und viele nach Unterstützung von reichen Arabern der Golfregion Ausschau halten.

Ein neuer Versuch, mehr Organisation in diese chaotische Rebellion zu bringen, wurde von der "Syrian Support Group", einer syrisch-amerikanischen Gesellschaft, in Gang gebracht. Yakzan Shishakly, einer der Gründer, traf im Februar Offiziere der Freien Syrischen Armee, um sie zu überreden, die freien Bataillone in den Militärräten zusammenzuschließen. Shishakly gilt als glaubwürdig - sein Großvater war in den 1950er Jahren syrischer Präsident und sehr geachtet.

Zu Sommerbeginn stand Colonel Abdul-Jabbar Akidi als Chef des neuen Militärrats für den Raum Aleppo fest, Colonel Afif Suleiman für die Provinz Idlib und Ahmed Berri für Hama. Shishakly machte uns vorige Woche in Syrien miteinander bekannt. Sie sagen, sie hätten gern Hilfe aus den USA angenommen, sie sei aber nicht zustande gekommen. Ohne Geld und Waffen für die Kämpfenden werden diese US-freundlichen Militärräte schnell ihre koordinierende Kraft verlieren.

Das andere Machtzentrum der Revolution ist das dschihadistische Netzwerk der Salafisten. Es ist ein Fehler, sie alle als Mitglieder oder Möchtegerns der Al-Kaida einzustufen. Viele von ihnen sind lediglich gläubige Sunniten, die wissen, dass sie Unterstützung im Kampf gegen Bashar al-Assad erhalten, wenn sie den Dschihad auf ihre Fahnen schreiben.

"Sich einen Bart wachsen lassen, ist der einfachste Weg, um an Geld zu kommen", erklärte mir Adib Shishakly, Yakzans älterer Bruder, der einer der Gründer der sich abmühenden syrischen Oppositionsbewegung "Syrischer Nationalrat" ist.

Syrer sagten mir, dass die Macht dieser extremistischen Gruppen im ganzen Land wächst. Ein Beispiel dafür ist die Gruppe Jabhat al-Nusra, die öffentlich mit ihren Verbindungen zur Al-Kaida prahlt. Yakzan Shishakly sagt, er habe kürzlich versucht, Verantwortliche in den USA zu warnen: "Diese Leute sind unter uns. Wenn ihr jetzt nicht helft, kommen mehr und mehr." Nach allem, was ich so im Land gesehen habe, hat er recht.

Übersetzung: Redaktion

Originalfassung "A revolt's extremist threat"