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Was Billigtickets teuer macht

Von Sissi Eigruber

Wirtschaft

Eine böse Überraschung können Fluggäste von Billigairlines erleben, wenn sie sich nicht mit deren speziellen Geschäftsbedingungen beschäftigt haben. Denn, so günstig die Flüge auch sein können, wer uninformiert in den Urlaub startet, muss unter Umständen spätestens am Flughafen tief in die Tasche greifen.


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Der heißersehnte Urlaub auf der grünen Insel rückt näher, per Internet wird nach der günstigsten Variante für Flug und Unterkunft gesucht. Mit Ryanair kostet der Flug für zwei Personen von Linz nach London Stansted und von dort weiter nach Dublin nur 246,26 Euro.

So weit, so gut, doch der Urlaub dauert drei Wochen und das Paar reist mit insgesamt rund 50 Kilogramm Gepäck und das kommt teuer: Unterm Strich wären für Tickets und Gepäck damit über 800 Euro fällig, denn Ryanair verrechnet 7 Euro pro Kilo Übergepäck. Eine Praxis, die auch bei anderen Fluganbietern - bei konventionellen wie auch Low Cost Carrieren - üblich ist, nur es gibt einen wesentlichen Unterschied: Während die Fluggäste (in der Economy Class) von Austrian Airlines, Lufthansa aber auch von Sky Europe, easyJet, Germanwings, Niki/AirBerlin Anspruch auf 20 kg Freigepäck haben, sind es bei Ryanair nur 15 Kilogramm. Freilich, in den Geschäftsbedingungen steht: "Die Freigepäcksgrenze liegt bei 15 kg pro Person. ... Für jedes Gepäckstück über 15 kg wird pro Kilo eine Zuschlagsgebühr von 4,50 Englischen Pfund oder 7 Euro erhoben", doch Hand aufs Herz, wer liest jeden Einzelnen Punkt der Geschäftsbedingungen? Einen gesonderten, auffälligeren Hinweis auf diese im Vergleich mit anderen Anbietern doch ungewöhnliche Regelung, gibt auf den Internetseiten von Ryanair jedenfalls nicht.

Natürlich würden sich die Konsumentenschützer eine Verbesserung der Information wünschen, meint dazu Renate Wagner, Leiterin des Beratungszentrums im Verein für Konsumentenschutz (VKI). So gebe es auch immer wieder Beschwerden von Fluggästen, die sich dessen nicht bewusst waren, dass sie außer dem Flugpreis noch Nebengebühren zu bezahlen haben oder die nicht wussten, dass sie nicht in der gewünschten Stadt sondern ein ordentliches Stück abseits davon landen werden (wie zum Beispiel London Stansted), berichtet Wagner. Insgesamt sei die Beschwerdezahl über Billigflieger beim VKI aber nicht signifikant höher als bei anderen Fluganbietern.

Handgepäck ausnutzen

"Die meisten unserer Passagiere haben damit kein Problem", heißt es aus dem Pressebüro von Ryanair in Irland in Bezug auf die Gepäcksregelung. Zahlen darüber, wie viele ihrer Fluggäste für Übergepäck zusätzlich zahlen müssen, könnten nicht genannt werden, hieß es auf Anfrage der "Wiener Zeitung".

Wer also länger auf Reisen geht, sollte das Übergepäck mit einkalkulieren. Etwas reduzieren lässt sich das aufgegebene Gepäck, wenn möglichst viel mit dem Handgepäck transportiert wird. Aber Vorsicht! Auch dafür gelten (neben den eigenen Kräften) Beschränkungen für Gewicht und Größe: Pro Person darf üblicherweise nur ein Stück Handgepäck mit an Bord genommen werden. Dieses darf bei Ryanair nicht mehr als10 kg wiegen und die Abmessungen von 55x40x20 cm nicht überschreiten. Bei den meisten anderen Billigfluganbietern gilt die selbe Größenbeschränkung. Die Gewichtsgrenze liegt bei Germanwings allerdings bei 8 kg, bei Niki/AirBerlin bei 6 kg, bei SkyEurope bei 5 kg Gewicht und bei easyJet muss das Handgepäck "gut tragbar" sein. AUA und Lufthansa akzeptieren ein bis zu 8 kg schweres Handgepäck. Die Regelungen für das Gepäck können aber je nach Buchungsklasse und Zielgebiet unterschiedlich sein.