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Was, bitte, heißt denn nun "SW"?

Von Helmut Dité, Paris

Wirtschaft

Da schmunzeln sie, die Leute von Peugeot: Als der 307 und dann der 206 und jetzt auch der 407 als "SW" vorgestellt wurden, fragen alle: "Was, bitte, heißt SW?" "Station Wagon - weil er einem Kombi ähnelt? Sport-Wagon - weil er für einen Kombi ziemlich sportlich beieinander ist? Sonnen-Wagen - weil er ein riesiges Glasdach hat? "SW" heißt, was Sie wollen, heißt es dann - es ist kein Kürzel, sondern eine Philosophie.


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Seit 1994 eine große Studie des deutschen Nachrichtenmagazins "Spiegel" belegte, dass gut zwei Drittel aller Autokäufer in ihrem Fahrzeug eben nicht nur ein Fortbewegungsmittel sehen sondern das "Auto als Ausdruck des individuellen Lebensgefühls" empfinden, dem Attribute wie "Fun, Sportlichkeit, Authentizität, Freizeitorientierung, Urbanität und Ablehnung alles Konventionellen" zugeordnet werden. Solchen Vorstellungen konnten herkömmliche Limousinen und Kombis nur noch schwer gerecht werden. Die Zeit der sportlichen Cabrios, Roadster und Coupés sowie der multifunktionalen MPV (Multi Purpose Vehicle) und freizeitorientierten SUV (Sport Utility Vehicle) war gekommen.

Peugeot, das auch ohne Allrad-Angebot mit den "SW"-Versionen von 206 und 307 große Verkaufserfolge gelandet hat, formuliert die Philosophie "SW" beim neuen 407 so: "Der 407 SW spricht aktive, freiheitsliebende Kunden an, die sich in der Komplexität moderner Lebensformen mühelos zurecht finden, dabei die unterschiedlichsten Ansprüche - Freizeit, Familie, Freunde, Privatleben oder Beruf - in Einklang bringen müssen und in all diesen Situationen mit berechtigtem Besitzerstolz auch entsprechendes Fahrvergnügen erleben möchten".

Soweit das Pflichtenheft. "Erfüllt", konstatierten wir nach ersten Testkilometern nahe Paris: Fahrvergnügen sowohl auf den schmalen Alleen und kurvenreichen Nebenstrassen der Champagne als auch auf den Autobahnen hoch, pfiffige, variable, praktische Ausstattung - und zweifellos einer der fescheren "life-style-Kombis" auf dem Markt - "quel derrière . . .", wie es manchem Franzosen am Wegesrand angesichts der hinteren Rundungen anerkennend entschlüpfte. Der Anteil des SW an den Gesamverkäufen der 407-Baureihe - 2005 will man 300.000 Stück absetzen - dürfte mit 45 Prozent sogar noch über den entsprechenden Anteilen bei der 206er und 307er-Baureihe zu liegen kommen.

Für die dieselbegeisterten Österreicher - vom Vorgängermodell 406 hat man hier zu Lande mehr als 95% mit Selbstzündermotorisierung bestellt - kommt der 407 SW ab Oktober mit zwei ganz besonderen Zuckerln: Ein überraschend durchzugskräftiger neuer 1,6-Liter-Diesel mit 110 PS und Common-Rail-Einspritztechnologie der neuesten Generation und ein 2,0-Liter 136-PS-Diesel in Kombination mit einer 4-Gang-Automatik mit tiptronic-Funktion. Die Leistung beider Motor-Getriebekombinationen ruft einhellig die Reaktion hervor: "Was, das sind wirklich nur soviel PS?". Sie kommen - selbstverständlich beim Pionier der "Nichtraucher-Diesel", der nicht auf gesetzliche Verordnungen gewartet hat - mit serienmäßigem Partikelfilter.

Peugeot-Österreich-Chef Jacques Comby sieht den Neuen - der ebenso wie die Limousine auch mit vier Benzinmotoren bis hin zu einem 3-Liter-Sechszylinder mit mehr als 200 PS verfügbar ist - mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Weil schon die Limousine europaweit so eingeschlagen hat und sich blendend verkauft wird er heuer wohl nicht mehr so viele 407er nach Österreich bekommen, wie er verkaufen könnte. Dennoch wird man das angestrebte Ziel erreichen, heuer mehr als 20.000 Pkw und leichte Nutzfahrzeuge mit dem Löwen auf der Motorhaube in Österreich zu verkaufen.

Wer jetzt einen 407 bestellt, muss bis Ende des Jahres warten. Aber: Besser Lieferfristen als Lagerhalden - wird halt dann 2005 das neue Rekordjahr für die Mannen in der Triester Straße.

Gut möglich. Denn dann kommen auch noch andere "Knüller": Den kommenden Automobilsalon "Mondial de l'Automobile", das Heimspiel an der Pariser Porte de Versailles, nutzt Peugeot auch für die Weltpremiere des 1007. Der erste Peugeot mit vierstelliger Nummerierung schlägt mit Van-Architektur und elektrischen Schiebetüren ein neues Kapitel im Kleinwagensegment auf. Einen 107, als Nachfolger des kleinen 106ers, wird es später ebenfalls geben, gemeinsam mit einem Schwestermodell der Konzernschwester Citroen.

Weltpremiere feiert in Paris auch ein runderneuerter 607 mit einem neuen - gemeinsam mit Ford entwickelten - V6 HDi-Motor (150 kW/204 PS), ein Aggregat, das bisher dem Jaguar S-Type vorbehalten war. Im Peugeot kommt der Motor von Anfang an mit Rußfilter.

Apropos "SW": Auf Wienerisch gibt's keine Probleme mit der Definition: Ein "supa Wagl" . . .