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Was darf die Forschung?

Von Heiner Boberski

Wissen

Was Österreichs Wissenschafter gerade am meisten beschäftigt, kommt alljährlich um den Nationalfeiertag beim Wissenschaftstag der Österreichischen Forschungsgemeinschaft auf dem Semmering zur Sprache. In den Pausen, in denen bekanntlich die wahre Tagung stattfindet, ging es häufig um die Universitätsreform, im Plenum, das heuer dem Thema "Europa im Zeichen von Wissenschaft und Humanismus" gewidmet war, diskutierte man über Wahrheit und Verantwortung.


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Bei der Eröffnung wies Bundesministerin Elisabeth Gehrer darauf hin, dass am 27. November entschieden werden soll, ob die Stammzellenforschung aus europäischen Geldern gefördert wird. Dass diesbezügliche Ethik-Diskussionen außerhalb von Mitteleuropa auf wenig Verständnis stoßen, ging aus einer international besetzten Podiumsdiskussion und aus dem Referat des Wiener Gynäkologen Johannes Huber, des Vorsitzenden der Ethikkommission der österreichischen Regierung, deutlich hervor. Was Werte oder wissenschaftliche Erkenntnisse betrifft, so kann Europa keine Führungsrolle beanspruchen.

Nicht in allen Kulturen hat der Mensch eine so einzigartige Bedeutung wie dort, wo der europäische Humanismus noch Spuren hinterlassen hat. Mehrmals wurde der italienische Humanist Giovanni Pico della Mirandola mit seiner Schrift "Über die Würde des Menschen" zitiert, wo dem Menschen die Möglichkeit offen steht, sich Richtung Vieh und Richtung Gott zu entwickeln. Doch war, wie der Klagenfurter Historiker Helmut Rumpler schon zu Beginn klarstellte, der Humanismus "kein Triumphmarsch, sondern ein behutsamer, diffiziler Diskussionsprozess", der letztlich auf der Strecke blieb.

Das moderne Europa wurde keineswegs zufällig auf wirtschaftlichen Interessen und nicht auf den Werten des Humanismus, der christlichen Tradition oder der Aufklärung aufgebaut.

Dass Europa der Wissenschaft gewaltige Impulse gegeben hat, dass auch Österreich auf vieles stolz sein kann, wurde zwar deutlich, aber verbindliche ethische Maßstäbe werden im Zeitalter der Globalisierung wohl nur im Einvernehmen aller Kulturräume zu finden sein.

Mit Hinweis auf die natürliche Wissbegier des Menschen trat der Tübinger Philosoph Otfried Höffe leidenschaftlich für freie Forschung ein - natürlich abgesehen von kriminellen Praktiken wie unter dem NS-Regime.

Einen anderen Akzent setzte der Schweizer Chemiker Richard R. Ernst, als erster Nobelpreisträger (1991) Referent beim österreichischen Wissenschaftstag. Der Pionier der nuklearen Magnetresonanz sieht die Menschheit in einer tiefen Sinnkrise und in einer "Beschleunigungsfalle", er forderte die Vertreter der Wissenschaft auf, sich mehr ihrer globalen Verantwortung bewusst zu werden und deutlicher gegenüber Politik und Wirtschaft aufzutreten.