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Was es mit dem "Teuro" auf sich hat

Von Christine Zeiner

Wirtschaft

"Was vorher um die 100 Schilling gekostet hat, bekommt man jetzt für 10 Euro." Die meisten Konsumenten sehen im Euro nach wie vor einen "Teuro". "Der Teuro ist eine Illusion", kontert Stefan Schulz-Hardt von der Uni Dresden. Er präsentierte gestern eine Studie über die "eingebildete Preiserhöhung".


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1.500 deutsche und 250 österreichische Versuchspersonen bekamen Speisekarten eines Restaurants vorgelegt, in denen die Preise in D-Mark bzw. Schilling ausgezeichnet waren. Anschließend erhielten sie die "neue" Version der Karte mit Euro-Preisen. Die Probanden sollten möglichst genau einschätzen, ob bzw. in welchem Umfang sich die Preise verändert haben.

Das Resultat: Bei Steigerungen um 15% glaubten viele an Erhöhungen von 20 bis 25%. Wurde exakt umgerechnet, gingen die Probanden von Steigerungen um 10% aus. Waren die Speisen um 15% billiger, hatten viele das Gefühl, die Preise seien stabil geblieben.

"Es handelt sich um eine selektive Fehlerkorrektur, die nur nicht-erwartungsgemäße Fehler korrigiert", erläutert Schulz-Hardt. Ergibt eine Kopfrechnung einen niedrigeren Preis als erwartet, wird noch einmal gerechnet - im umgekehrten Fall nicht.

"Man darf zwei Dinge nicht miteinander verwechseln", erklärt Karl Kollmann, Konsumentenschützer in der Arbeiterkammer (AK) im Gespräch mit der "Wiener Zeitung": "Die Leute haben natürlich gemerkt: Aha, in dem Gasthaus ist das Bier teurer geworden. Und dann haben sie von dem Einzelfall auf alles geschlossen." Laufende AK-Erhebungen seit der ersten Jahreshälfte 2002 "quer durch sämtliche Gaststätten" ergaben laut Kollmann: Die Hälfte der heimischen Betriebe war "brav", die Hälfte "schlimm".