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Kombination aus Pilz und Virus soll verantwortlich sein. | Forscher gehen wie bei Google-Suche im Internet vor. | Stuttgart. In den letzten Jahren wurde die Natur von einem mysteriösen Bienensterben heimgesucht. Wie von Geisterhand verschwanden ganze Völker. Doch niemand weiß, worin die Ursache liegt. Nicht nur die Varroa-Milbe ("Wiener Zeitung", 18. 9. 2010, Anm.) ist verdächtig. Unter dem kryptischen Kürzel "CCD" (Colony Collapse Disorder) rätseln Forscher aus aller Welt über die Gründe des Bienensterbens, das in den USA einen Drittel der Bestände vernichtet und in Europa einen Schaden in dreistelliger Millionenhöhe angerichtet hat.
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Die Antwort glaubt nun ein US-amerikanisches Forscherteam gefunden zu haben: Eine krude Kombination aus einem Pilz und Virus soll für das Bienensterben verantwortlich sein. Unter der Leitung von Jeremy Bromenschek - der eigenwillige Wissenschafter setzte einst bei der US Navy Bienen auf Sprengstoff an - suchten die Experten in den verwesten Bienenkörpern zunächst mithilfe eines Massenspektrometers nach Proteinen und verglichen die Elemente schließlich mit Mikroorganismen aus einer Datenbank, die genetische Charakteristika aller erdenklichen Viren, Bakterien und Pilzen enthielt.
"Es ist vergleichbar mit einer Google-Suche", erklärt Michael Du Bow, Mikrobiologe an der Universität Paris, das Vorgehen. "Man gibt ein Wort ein und erhält eine Liste mit passenden Funden." Auf diese Weise konnten die Forscher knapp 3000 Peptide identifizieren, die sie 900 verschiedenen Mikroorganismen zuordneten. Wie bei einer kriminalistischen Suche schränkten sie die Zahl der potenziellen "Killerfaktoren" systematisch ein. Welcher Mikroorganismus ist für das Massensterben verantwortlich? Die Fahndung konzentrierte sich zunächst auf pathogene Parasiten der Bienen. Am Ende machten die Forscher zwei "Verdächtige" aus: ein Virus, das zur Gattung der Iridoviridae gehörte, und ein einzelliger Pilz der Nosema ceranae-Spezies.
Nachdem die Biologen erneut Laborbienen mit den tödlichen Substanzen kontaminiert hatten, stand fest: Die Pathogene sind ursächlich für den Tod der fleißigen Nektarsammler. Es ist also das teuflische Zusammenspiel eines Virus und eines Pilzes, das die Bienen reihenweise in den Tod treibt. "Erst wenn sich die beiden Schädlinge miteinander verbinden, kommt es zum Exitus", argumentieren die Wissenschafter.
Andere Forscher sind dagegen skeptisch, ob es einen kausalen Zusammenhang zwischen den Pathogenen und dem Bienensterben gibt. "Der Pilz ist nur zu einem Drittel verantwortlich", meint etwa Yves Le Conte vom renommierten Inra-Zentrum in Paris. Der Forscher vermutet ein Pestizid, das das Massensterben hervorruft.
Experten im Zweifel
Le Contes Kollege Bernard Vaissière hegt ebenfalls Zweifel: "Es ist nicht klar, ob die Verbindung zwischen Pilz und Virus die Ursache oder die Folge der Krankheit ist." Er beruft sich auf eine Studie im Fachblatt "Apidologie". Danach wurde besagter Pilz in Waben auf dem Balkan gefunden, ohne dass Bienen daran zugrunde gingen.
Angesichts der widersprüchlichen Befunde innerhalb der Wissenschaft wird das Rätseln über das mysteriöse Bienensterben wohl weitergehen.
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