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Was für ein kläglicher Journalismus

Von Gerhard Kohlmaier

Gastkommentare
Gerhard Kohlmaier war AHS-Lehrer und ist aktiv in der Steuerinitiative (www.steuerini.at).
© privat

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Seit Beginn des Wahlkampfes boten die österreichischen Medien den Bürgern dieses Landes ein emotionales Sittenbild der österreichischen Politik. Nicht Inhalte stellen die Journalisten in den Vordergrund, sondern ihre eigene Befindlichkeit sowie die der Parteichefs und der politischen Protagonisten. Jede mitunter auch noch so dumme Worthülse eines Politikers wurde aufgegriffen, jede Mimik und Gestik gedeutet. Sprach der "alte" oder der "neue HC Strache", wie versuchte er Wähler zu manipulieren, trat Sebastian Kurz staatsmännisch oder aggressiv auf, reagiert Christian Kern zu empfindlich, hatte er gar ein "gläsernes Kinn"? Das alles waren Fragestellungen, welche die Wahlkampfberichterstattung der österreichischen Medienlandschaft geprägt haben. Abgesehen davon, dass einige Boulevardblätter ganz offen Stimmung für oder gegen einen Kandidaten gemacht  haben und ihnen offensichtlich jeder Untergriff recht war, der die Verkaufszahlen in die Höhe treiben sollte. Ja, und mitunter hörte man ein bedauerndes Wort darüber, dass die Inhalte in dieser Wahlauseinandersetzung zu kurz kämen, wohl auch, weil sie teilweise zu kompliziert für das gemeine Volk wären.

Dabei wäre es die Aufgabe der Journalisten, gerade über diese Inhalte zu informieren. Das Volk ist nämlich nicht zu dumm, es wird nur nicht oder sehr unvollständig informiert. Dieser journalistischen Aufgabe kommen die meisten Medien überwiegend nicht nach. Die Oberflächlichkeit des Wahlkampfes, den sie zu Recht bedauert haben, war unter anderem auch das Ergebnis ihrer Berichterstattung.

Ähnlich verhielt es sich mit der Moderation der Gespräche in den audiovisuellen Medien. Ungestört konnten sich da Wahlwerber den Großteil der Sendung über ihr Verständnis von Einwanderung unterhalten, weil eben dieses eine emotionale Spaltung der Zuseherschaft begünstigte. Konkrete sachliche Fragestellungen waren die Ausnahme. Offensichtlich ist eine hohe Zuschauerquote am leichtesten dann zu erreichen, wenn diese Emotionalität im Vordergrund der so genannten Berichterstattung steht.

Und schließlich wären da noch die Analytiker, welche im Fokus ihrer Interpretationen ebenfalls die Stimmung eines Gespräches, die Frage, welcher Politiker welche Wählerschichten ansprach, und ähnliche Fragen hatten. Auch bei ihnen gingen die Sachfragen kläglich unter.

Karl Kraus hat über den Journalismus einmal überspitzt gemeint: "Der Journalismus ist ein Terminhandel, bei dem das Getreide auch in der Idee nicht vorhanden ist, aber effektives Stroh gedroschen wird." Leider halten sich zu viele österreichische Journalisten an diese Charakterisierung.