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Betriebliche Mobilität wird sichtbarer und nachhaltiger - in dieser Reihenfolge.
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Es kommt Bewegung in die österreichischen Firmenflotten. Der Trend, dass sich Fuhrparkmanager nicht nur nominell in Mobilitätsbeauftragte verwandeln, wird in den kommenden Jahren zusätzlich Fahrt aufnehmen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Otto Normalverbraucher mit dem Begriff "CO2-Ausstoß" vor allem jene Schadstoffemissionen assoziiert, mit denen er selbst am häufigsten in Berührung kommt. Anders gesagt: In der öffentlichen Wahrnehmung nimmt der Straßenverkehr auf der Liste der Klimasünden einen sehr prominenten Platz ein.
Für Unternehmen bedeutet das einerseits ein Risiko für das Renommee, andererseits die Chance, nicht nur nachhaltig zu agieren, sondern auch so wahrgenommen zu werden. Letzteres dürfte zur signifikanten Triebfeder betrieblicher Nachhaltigkeitsmaßnahmen im Mobilitätsbereich werden - bedeutsamer jedenfalls als die regulatorischen Versuche, Unternehmen für ihre Emissionen zur Kasse zu bitten. Zu diesen Versuchen zählt etwa die CO2-Steuer - lange diskutiert und seit Anfang Oktober in Österreich Realität.
Aber was genau bedeutet die CO2-Steuer konkret für die betriebliche Mobilität? Hier ein kleines Rechenbeispiel: In Österreich legen Fuhrparkfahrzeuge im Schnitt 36.000 Kilometer im Jahr zurück (29 Prozent, also knapp 10.500 Kilometer davon, entfallen auf die private Nutzung). Die Statistik stammt aus dem Jahr 2018 und deckt sich mit aktuelleren Zahlen zur betrieblichen Pkw- und Leicht-Lkw-Nutzung in deutschen Fuhrparks. Im Jahr 2021 legten 9 Prozent Distanzen unter 10.000 Kilometer zurück, 23 Prozent bewältigten Strecken von 10.000 bis 20.000 Kilometern, je 22 Prozent 21.000 bis 30.000 beziehungsweise 31.000 bis 40.000 Kilometer, und bei 24 Prozent waren es mehr als 40.000 Kilometer; das verbleibende 1 Prozent entfiel auf Fahrzeuge, für die Fuhrparkmanager keine Angaben machten. Im Schnitt kommt also ein betrieblich genutztes Fuhrparkfahrzeug auf etwa 25.000 Kilometer pro Jahr. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 7,7 Litern Benzin auf 100 Kilometer für ein Verbrennungsfahrzeug ergäbe das knapp 4,5 Tonnen CO2 pro Fahrzeug und Jahr - und würde heuer rund 135 Euro und im Jahr 2025 rund 250 Euro gemäß der neu eingeführten Steuer kosten.
Für ein weitläufiges Umdenken im Fuhrparkmanagement wird das vermutlich nicht ausreichen. Überzeugender ist da schon die "Corporate Sustainability Reporting Directive" der EU - nach aktuellem Stand müssen Unternehmen aus EU-Mitgliedstaaten ab 2023 ihre Nachhaltigkeitsmaßnahmen beziehungsweise deren Fehlen offenlegen. Firmen mit mehr als 250 Mitarbeitern machen den Anfang, bis 2028 betrifft die Richtlinie dann auch KMUs. Sie verpflichtet nicht zuletzt zur Angabe der Schadstoffemissionen durch firmeneigene Fuhrparks. Die Auswirkungen sind gewichtiger einzuschätzen als jene der CO2-Steuer, weil diese Nachhaltigkeitsberichterstattung das Klimaschutzbestreben oder -versäumnis von Unternehmen sichtbar macht.
Langfristig wird dadurch nicht nur die eigene Klimabilanz, sondern auch jene potenzieller Partnerbetriebe zum wirtschaftlichen, weil transparenten Faktor. Der Fuhrpark steht dabei nicht nur in der Auslage, er lässt sich in den meisten Fällen (Stichwort E-Fahrzeuge und Micro Mobility) auch relativ einfach nachhaltiger gestalten - ein Job für den Fuhrparkmanager, der nicht nur dem Namen nach zum Mobilitätsbeauftragten geworden ist.

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