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Was Österreich aus Südtirols Massentests lernen kann

Von Martina Madner

Politik
© BMSGPK

In Bozen, Brixen, Bruneck und Meran nahmen mehr als 62 Prozent der Bevölkerung an Massentests teil. Österreich will sich digitale Abläufe und die Kommunikation abschauen.


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Nun will Österreich von Südtirols Erfahrungen mit Massentests lernen: Die Bilanz der Südtiroler Sanitätsbetriebe am Sonntag, 20 Uhr, zeigt, dass 343.227 Menschen, also 61,9 Prozent der Gesamtbevölkerung an der Aktion "Südtirol testet" teilnahmen. 3.185 Antigenschnelltests waren positiv, das entspricht 0,9 Prozent aller Getesteten.

Das mag "wenig erscheinen, aber bei einer Reproduktionszahl R von 1,5, wie letzthin in Südtirol, würden diese potenziell 4.500 weitere anstecken, die dann 6.750 anstecken, womit man in einer Woche theoretisch auf mehr als 95.000 Ansteckungen hätte kommen können", rechnete Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher vor Medien vor. Auch wenn man nicht sagen könne, "es gebe kein weiteres Infektionsgeschehen mehr", "ist es gelungen, die Zahl derer, die andere anstecken, deutlich zu reduzieren".

Das ist auch die Motivation der österreichischen Regierung: "Wir können schnell eine hohe Zahl an infizierten Personen lokalisieren und somit noch stärker die Infektionsketten durchbrechen", ließ Bundeskanzler Sebastian Kurz am Freitag die Öffentlichkeit wissen. Am 5. und 6. Dezember startet man mit Lehr- und Kindergartenpersonal, plant für 200.000 Freiwillige rund 100 Teststationen in den Bezirkshauptstädten. Am 7., 8. und 9. sind 40.000 Polizistinnen und Polizisten dran.

Man arbeite auch am eigentlichen Massentest "in der Woche vor Weihnachten". Am Montagabend fand dazu eine Videokonferenz von Kanzler, Gesundheitsminister, Bildungsminister und Verteidigungsministerin mit den Landeshauptleuten und Gemeindevertretern statt. Erst am Dienstagnachmittag informiert der Bund die Gesundheitslandesräte. Noch sind zahlreiche Fragen offen.

Hybride Abwicklung der Testung in Südtirol

Gesundheitsminister Anschober sagte am Montag, dass man aus Südtirol die breite Einbindung der Zivilgesellschaft und das digitale Aufsetzen der Tests lernen könne: "In Südtirol wurde sehr zentral auf Digitalisierung gesetzt, deshalb hat es in diesen Gemeinden kaum Wartezeiten gegeben."

Gerald Schimpf, Leiter des Krisenstabs, betont, dass "digitale Prozesse wirklich wichtig sind, um so einen Prozess auszurollen". In Südtirol wurde mit einem Hybridsystem gearbeitet: Erst wurden digital Timeslots zugewiesen, in den Teststraßen vor Ort analog auf Papier Daten erfasst, mit dem Testergebnis verknüpft und in die Onlinedatenbank eingegeben. Aus der konnten die Getesteten diese wieder digital online abrufen. Obwohl vorab informiert wurde, dass E-Mail-Adresse und Mobiltelefonnummer anzugeben waren, ist das nicht immer geglückt. Fehlende Daten können nun telefonisch in jedem Bezirk nachgemeldet werden.

In allen Bundesländern gebe es bereits Systeme, wo man Timeslots für Testungen buchen kann. Die Datenbank, wo die positiven und negativen Testergebnisse aus den Screeningprogrammen etwa in der Pflege jetzt schon eingemeldet werden, könne laut Schimpf für das Abfragen der Massentestergebnisse adaptiert werden. Ein positives Testergebnis bei den Antigentests werde danach, "weil es mittlerweile sicher genug ist", auch im Epidemiologischen Meldesystem vermerkt. Derzeit sei noch nicht entschieden, ob wie bisher auf jeden positiven Test auch bei den Massentests ein PCR-Test folge, "was der derzeitigen Teststrategie entspricht", so Schimpf.

Landesweit wurden laut Südtiroler Sanitätsbetrieb 200 Teststationen eingerichtet, wo in großen Gemeinden am Freitag, Samstag und Sonntag, rund 800 Personen aus dem Gesundheitsbereich in kleineren auch nur an einem oder zwei Tagen die Antigenschnelltests durchführten. Unterstützt wurden sie von Landesverwaltungs- und Gemeindepersonal, von den Freiwilligen Feuerwehren, vom Weißen und Roten Kreuz und anderen Freiwilligen. Getestet wurden Gesunde ohne Sars-CoV-2-Symptome ab fünf Jahren, sofern sie nicht ohnehin wie das Gesundheitspersonal regelmäßig getestet werden. Die Teilnahme war freiwillig. Aber: "Wo es die allfälligen Sicherheitsprotokolle vorsehen, kann in den Betrieben nur jenes Personal eingesetzt werden, welches getestet wird", ist in Informationen vom Sanitätsbetrieb nachzulesen.

Kommunikation für Erfolg entscheidend

Für Anschober ist für den Erfolg der Massentests auch die "richtige Kommunikation entscheidend": "Dann können Staus und lange Wartezeiten verhindert, eine hohe Beteiligung gesichert, viele Infizierte erkannt und aus dem Infektionskreislauf geholt und eine Fehlinterpretation negativer Ergebnisse unterbunden werden."

Anders als in Österreich, wo zwar schon mit positivem Antigentest Quarantäne und Behördenbescheid erfolgen, aber auch immer ein Nachtesten mit PCR, der beides - sofern negativ - wieder aufhebt, gab man den positiv Getesteten in Südtirol gleich mit auf den Weg, man müsse sich "für 10 Tage zu Hause isolieren", könne das - sofern sich keine Symptome entwickeln - danach "ohne weiteren Test wieder beenden." Für jene mit negativem Testergebnis gab es keine Entwarnung: "Halten Sie auf jeden Fall weiterhin die Vorsorgemaßnahmen ein: Mund-Nasen-Schutz, Abstand, Desinfektion und häufiges Lüften!" Entstehen Symptome, heißt es: Ab zum Arzt.