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Was sich für Fluggäste in Wien ändert, wenn Lufthansa und AUA Deutschland-Slots abgeben

Von Gerhard Stadler

Analysen

Von etwa 1980 bis 2008 ist die kommerzielle Luftfahrt in Europa jedes Jahr um fünf bis sechs Prozent gewachsen - auch dank der völligen Freigabe der Verkehrsrechte in der EU 1992. Dies führte bald zu einer Übernutzung der Flughafenkapazitäten, deren Ausbau pistenseitig kaum möglich war und ist. Flugverspätungen waren die Folge.


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Um die Start- und Landekapazitäten fair zu verteilen, führte die Europäische Union 1995 per Verordnung die Flugplankoordination und -freigabe ein: Der Flugplan von Flügen ab und nach einem Flughafen, bei dem zeitweise oder ständig Kapazitätsengpässe auftreten, muss von einem unabhängigen Koordinator angenommen werden. In Österreich unterliegen der Flughafen Schwechat seit 2005 ständig der Koordination durch die Schedule Coordination Austria GmbH, die Airports Innsbruck und Salzburg während der Wintersaison-Wochenenden; in Deutschland alle Großflughäfen.

Die Zuteilung dieser Slots (Zeitnischen für Start oder Landung eines Flugzeuges) erfolgt nach den in der EU-Verordnung vorgeschriebenen Kriterien und Prioritäten: Die Anmeldung von Flugplänen muss für die jeweils übernächste Periode erfolgen - also im Sommer 2009 für den Sommer 2010.

Die Zahl der möglichen Flugbewegungen eines Flughafens, die sogenannte "declared capacity", ergibt sich aus der Zahl und Lage der Landebahnen, der Rollwege und Abstellpositionen am Pier oder Vorfeld, der Kapazität der Flugsicherung und anderen Faktoren - in Schwechat beträgt sie 66 Flugbewegungen pro Stunde.

Überschreitet die Zahl der rechtzeitig angemeldeten Serien-Flüge diese Kapazität, so haben jene Fluggesellschaften Vorrang, die die angemeldeten Flugserien bereits in der entsprechenden Vorperiode zu mindestens 80 Prozent durchgeführt haben.

Handel mit Slots nicht erlaubt

Bei danach ausgeschöpfter Kapazität sind Bewerber für neue Flüge im Wesentlichen nur aus einem "Zeitnischenpool" zu befriedigen, das heißt wenn zugeteilte Start- oder Landeslots in der Vorperiode weniger als 80 Prozent genutzt oder auf dem Flughafen neue Kapazitäten geschaffen wurden, etwa durch Inbetriebnahme einer neuen Landebahn.

Oft kann in Gesprächen innerhalb des weltweiten Verbandes der Linienfluggesellschaften IATA oder zwischen dem Flugplankoordinator und den betroffenen Fluggesellschaften doch eine positive Erledigung aller Slot-Anträge erreicht werden - etwa durch Ausweichen aus den Spitzenstunden, oder durch geringfügiges Überschreiten des Richtwertes der "declared capacity". Trotzdem müssen bei einigen Großflughäfen wie Frankfurt, Düsseldorf, London-Heathrow oder Brüssel "new entrants" regelmäßig abgewiesen werden. Der Handel mit Slots ist in Europa nicht erlaubt, doch sind sie beim Kauf oder der Fusion von Fluggesellschaften innerhalb der Partner übertragbar.

In ihren Wettbewerbsverfahren zur Genehmigung von Kooperationen und Zusammenschlüssen von Fluggesellschaften ergänzen die Wettbewerbsbehörden diese Slot-Regeln oft durch die Verpflichtung der Abgabe von Slots an Dritte. Dies geschah etwa im Juni 2009 beim Kauf der Brussels Airlines durch die Lufthansa (Abgabe von Slots für Flüge zwischen Brüssel und Deutschland sowie der Schweiz - da die Lufthansa auch Eigentümer der Swiss ist) und bereits 2002 beim Zusammenarbeitsvertrag zwischen AUA und Lufthansa. Als Folge davon sind von den je 15 werktäglichen Flügen zwischen Wien und Frankfurt im veröffentlichten Sommerflugplan 2009 je fünf von Lufthansa und von Austrian, drei von Adria Airways (die mit Lufthansa zusammenarbeitet und nur kleine Flugzeuge einsetzt) und zwei von Niki Luftfahrt.

Ähnlich ist die Lage zwischen Wien und den anderen deutschen Großflughäfen: Austrian und Lufthansa dominieren, es gibt aber jeweils auch eine Billigfluglinie auf diesen Strecken.

Die Kommission wird nun in ihrer Genehmigung des Erwerbs der AUA durch die Lufthansa die beiden künftig in einem Konzern verbundenen Gesellschaften zur Abgabe von rund 20 Serien-Slots im Österreich-Deutschland-Verkehr verpflichten. Damit können und werden andere Carrier Pläne für solche vermutlich auch in dieser Krise profitable Flüge anmelden - schließlich macht der bilaterale Verkehr mit ca. 5,6 Millionen Passagieren jährlich mehr als ein Fünftel aller von den sechs österreichischen Flughäfen an- und abfliegenden Passagiere aus. Es ist daher zu erwarten, dass der Anteil der Low Cost Carrier an diesem Verkehr zunehmen wird.

Folgen für den Flugpassagier

Positive Folge für den nur zwischen Österreich und Deutschland reisenden Flugpassagier wird also eine Erhöhung des Anbots im Billigsegment sein; eine negative dürfte sein, dass wir für Flüge nach nur mit Umsteigen erreichbaren Drittland-Destinationen zunehmend auf die Lufthansa-Knoten Frankfurt oder München angewiesen sein werden.

Ab 2010 kommt mit der weiteren Liberalisierung des Personenverkehrs auch auf die Eisenbahnen private Konkurrenz zu - zu den Spitzenstunden und auf Hauptstrecken wird dann ein Regulator Slots auch für Zugfahrpläne vergeben, wenn die Nachfrage die Kapazität übersteigt.

Siehe auch:

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