Was, wenn der Rubel nicht rollt?

Von Marina Delcheva

Wirtschaft

Die RBI hat 2021 gut verdient, die Ukraine-Krise und mögliche Russland-Sanktionen trüben aber die Aussichten.


Auf das Beste hoffen und auf das Schlimmste vorbereiten. Das macht die Raiffeisen Bank International (RBI) derzeit mit Blick auf die Ukraine und Russland. Das heimische Finanzinstitut ist in beiden Ländern vertreten und verdient dort sehr gut. Die geopolitischen Spannungen zwischen diesen beiden Staaten, der drohende Einmarsch Russlands in die Ukraine und damit einhergehende wirtschaftliche Sanktionen könnten aber weitreichende Folgen für den gesamten Bankensektor in Osteuropa haben. Und damit auch für die RBI.

"Wir hoffen, dass man Lösungen findet und Gespräche von beiden Seiten konstruktiv geführt werden, und dass dieses bedrohliche Szenario bald endet - ohne Konflikte", sagte RBI-Chef Johann Strobl am Mittwoch vor Journalisten. "Alles, was man jetzt machen kann, ist, sich auf solche möglichen Entwicklungen vorbereiten, das tun wir", so Strobl. Rund 115 Millionen Euro hat die RBI für etwaige Sanktionsrisiken schon budgetiert. Das Fremdwährungsrisiko wurde mit einer höheren Abdeckungsquote besichert und das Liquiditätsrisiko wurde ebenfalls neu bewertet. Sollten einzelne Kunden als Privatperson von den Sanktionen betroffen sein, gebe es entsprechende Mechanismen und Richtlinien, wie etwa deren Vermögen einzufrieren sind.

Osten als Cash-Cow

Plump ausgedrückt, ist Osteuropa die Cash-Cow des Finanzinstituts, das in Besitz der genossenschaftlich organisierten heimischen Raiffeisen-Kassen ist. Trotz Corona-Pandemie stieg die Bilanzsumme der RBI im Vorjahr um 15 Prozent auf 192 Milliarden Euro. Der Gewinn nach Steuern übertraf mit 1,37 Milliarden Euro das Vorkrisenniveau.

Allein auf das Russland-Geschäft entfallen 474 Millionen Euro an Gewinn, auf die Ukraine 122 Millionen (jeweils nach Steuern). Eruptionen in diesen Märkten wären sehr schmerzhaft, aber nicht fatal, wie Finanzchef Hannes Mösenbacher erklärt. Sowohl die ukrainische als auch die russische Tochter sei finanziell gut aufgestellt. Mit einem Marktanteil von 2 Prozent in Russland und einem Kreditvolumen von 11 Milliarden Euro, sei das Risiko überschaubar und gut gestreut. Zudem habe die Raiffeisen Russland eine Kernkapitalquote von gut 25 Prozent, so Strobl.

"Jetzt noch kein Thema"

Sollte Russland in die Ukraine einmarschieren, drohen die USA unter anderem mit einem Ausschluss Russlands aus der sogenannten "Society of Worldwide Interbank Financial Telecommunication", kurz Swift. Das ist das weltweit größte Finanz-Transfernetz, das von rund 11.000 Banken zur Abwicklung von Transaktionen genutzt wird. Bei der RBI will man sich noch nicht festlegen, was das konkret für das Finanzinstitut bedeuten könnte.

Folgenlos ist so ein Ausschluss aber nicht und allein die Ankündigung dessen brachte schon erste Konsequenzen mit sich. Die italienische Unicredit hat deshalb ihr eigentlich zugesagtes Kaufangebot für die russische Bank Otkritie nun doch nicht offiziell gelegt. Man warte nun zu.

Ob man angesichts des Bedrohungsszenarios in der Ukraine und Russland Abwertungen vornehmen muss, sei zum jetzigen Zeitpunkt weder geplant, noch könne man seriöse Einschätzungen darüber abgeben, meint Mösenbacher. Auch über Verkäufe der beiden Töchter denke man jetzt nicht nach.

Boom an grünen Anleihen

Wie auch in anderen Instituten, sind grüne Anleihen auch in der RBI derzeit hoch im Kurs. "Hier trifft eine sehr hohe Nachfrage auf ein großes Angebot", sagte Bankchef Strobl. Im Vorjahr habe man grüne Bonds im Umfang von 1,8 Milliarden Euro emittiert. Die Bank habe damit einen Marktanteil von rund 13 Prozent.

Die am Mittwoche im EU-Parlament beschlossene EU-Taxonomie für Investoren (Bericht auf Seite 9, Anm.) werde keine nennenswerten Auswirkungen auf die Finanzierungspolitik der RBI haben. Die EU stuft Gas und Kernkraft unter bestimmten Umständen als "grün" ein, was Auswirkungen auf die Finanzierung von Energieprojekten hat. "Damit wir Atomkraft finanzieren, müsste sehr, sehr viel passieren", sagte Strobl.

Trotz der Worst-Case-Szenarien in Russland und der Ukraine lief das zweite Pandemiejahr gut. Es gab Zukäufe in Serbien und Tschechien. Das Bulgariengeschäft wurde um 1,015 Milliarden Euro an die belgische KBC verkauft. Das daraus gewonnene Kapital soll für weiteres Wachstum genutzt werden. Man wachse derzeit vor allem in Tschechien und der Slowakei stark, dort könnte das Kapital dann unter Umständen wieder eingesetzt werden.

Angesichts des guten Ergebnisses 2021 hat das Management eine Dividende von 1,15 Euro je Aktie vorgeschlagen. Die RBI ist in insgesamt 25 Ländern vertreten. Sie betreibt in 13 zentral-, ost- und südosteuropäischen Ländern Tochterbanken.