Zum Hauptinhalt springen

Wasserstoff als Schlüssel zur Energiewende

Von Eva Stanzl

Wissen

Chemischer Speicher für Wind- und Sonnenstrom könnte Umstieg ermöglichen.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 11 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Wien. Wasserstoff könnte der Schlüssel zur Energiewende sein. Denn das chemische Element mit der Bezeichnung H2, Bestandteil beinahe aller organischen Verbindungen, eigne sich hervorragend als Zwischenspeicher für Wind- und Sonnenenergie, berichteten Experten bei der Diskussion "Grüner Wasserstoff - Zukunft der Energieversorgung?" in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften am Dienstagabend.

Derzeit benötigt die weltweite Industrie rund 600 Milliarden Kubikmeter Wasserstoff. "Er müsste aber nicht wie jetzt zu 96 Prozent aus fossilen Energieträgern hergestellt, sondern könnte zunehmend über Elektrolyse erzeugt werden", sagt Helmut Antrekowitsch von der Montanuniversität Leoben zur "Wiener Zeitung". Bei der Elektrolyse wird zuerst elektrische Energie in chemische Energie umgewandelt, die dann über Batterien, Akkus oder Brennstoffzellen wieder in elektrische Energie umgewandelt werden kann.

"Wind und Sonne sind volatile Quellen. Es gibt viel davon, aber nur tagsüber oder bei Wind", so Antrekowitsch. Nur wenige Länder sind so reich an Wasser und Bergen wie Österreich, wo Pumpspeicher-Kraftwerke überschüssige Energie nach oben pumpen und bei Bedarf wieder herunterlassen. Andere Länder müssen ihre Wärmekraftwerke drosseln, um zu verhindern, dass Überschüsse aus erneuerbaren Energien entgehen, was den Wirkungsgrad dieser Kraftwerke senkt.

Der Mangel an effizienten Speichern führt zu Widerstand gegen den Ausbau der alternativen Energien. "Die Energiewende wird ohne Zwischenspeicher nicht funktionieren", sagte Jürgen Schneider vom Umweltbundesamt. Nach Deutschland, das sich zum Energiewende-Vorreiter erklärt hat, fördert nun auch die Bundesregierung in Wien die Erforschung von Grünem Wasserstoff als Energiespeicher. Im Rahmen eines Schwerpunkts zur Wiederverwertung von CO2 stehen zehn Millionen Euro zur Verfügung mit dem Ziel, der Industrie zu zeigen, was darunter vorstellbar ist, Emissionen zu reduzieren, deren Abfallprodukte besser einzusetzen und Energieengpässe auszugleichen.

Entscheidend sei, dass der Wasserstoff aus Strom aus alternativen Energiequellen hergestellt wird, betont Schneider. Wolle man ein Haus energieautark machen, müsse der Strom aus Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach vor Ort über Elektrolyse zu Wasserstoff gemacht werden und in Brennstoffzellen fließen, die ihn wieder in Wasser verwandeln und dabei Strom erzeugen "Das Abfallprodukt ist nur Wasser", sagt Schneider.

"Grundsätzlich kann jedes Haus, jedes Land nachhaltig energieautark werden", unterstreicht Antrekowitsch. Auch könne man Wasserstoff zusammen mit CO2 zu Methan machen und in Gasleitungen einbringen. Somit H2 zum Speicher über Kontinente hinweg. Sonnenstrom aus der Wüste könnte über Gasleitungen nach Europa gebracht werden.

Die Wasserstoffgewinnung und -speicherung seien ausgereift, die Brennstoffzellen im Stadium der Markteinführung. Nun gelte es, die Technologien zu einer Wasserstoff-Infrastruktur in technischen Schritten zu vernetzen. Kostenprobleme sieht Antrekowitsch nicht: "Würde man bei Atomkraftwerken die Endlagerung und bei Wärmekraftwerken die CO2-Zertifikate mit einberechnen, wären sie wesentlich teurer. Zudem verursacht Grüner Wasserstoff keine Emissionen und birgt nicht das Risiko eines Atomunfalls."