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Weihnachtsmann empört Kolumbien

Von Christoph Irrgeher

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"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.

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Man kennt sie aus den englischsprachigen Filmen: diese Weihnachtspullover mit den klobigen Kitschmotiven. Die US-Kette Walmart setzt heuer einen Kontrapunkt. Sie verkauft unter anderem einen Sweater mit einem sehr aufgekratzten Santa Claus: Der ist kurz davor, sich mit drei Linien weißen Pulvers zu beschenken. Textaufdruck: "Let It Snow".

Vor zehn Jahren hätte man kaum Aufhebens um diesen Jux gemacht. Im Zeitalter der beleidigten Leberwürste erhitzt er aber die Gemüter. Grund dafür ist der zugehörige Werbetext im Internet. "Der Weihnachtsmann", heißt es da, "genießt die Zeit, wenn er sich kolumbianischen Schnee von bester Qualität besorgen kann." Das rief, kein Witz, die Regierung Kolumbiens auf den Plan. Sie fordert nicht nur eine Entschädigung, sondern "eine zehnmal so große Werbekampagne wie für dieses Produkt, um ein gutes Bild von Kolumbien zu zeichnen".

Nun wäre Letzteres kein Leichtes: Kolumbien gilt als der weltgrößte Kokainproduzent; erst unlängst wurden acht Tonnen beschlagnahmt. Nichtsdestotrotz muss man den Südamerikanern einen guten Riecher zugute halten. Denn sie wittern die Chance, das Empörungszeitalter nicht nur für Rampenlicht, sondern auch bare Münze zu nutzen. Und die US-Kette hat sich bereits entschuldigt.

Gut möglich ist natürlich, dass sie sich so noch mehr Beschwerden einbrockt. Vielleicht ja von erzürnten Ärzten. Immerhin zeigt ein anderer Walmart-Pulli Santa mit nacktem Gesäß vor dem Kamin. Und dieses "Chestnuts Roasting" kann unmöglich gesund sein.