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Weiter Tauziehen um Unions-Kanzlerkandidat

Von Roland Losch

Politik

Wildbad Kreuth - Um jedes Missverständnis auszuschließen, eilte CSU-Chef Edmund Stoiber überraschend schon am Montag zur Klausur der CSU-Landesgruppe in Kreuth. Kein Misston aus den bayerischen Bergen soll die CDU dazu verleiten, sich in der "K-Frage" doch noch hinter ihre Vorsitzende Angela Merkel zu scharen. Es sei selbstverständlich, dass sich die CDU-Vorsitzende ebenso wie er selbst zu einer Kanzlerkandidatur bereit erkläre, sagte Stoiber. Sie würden noch im Jänner ein "freundschaftliches persönliches Gespräch führen und eine einvernehmliche Entscheidung vorlegen".


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Aus Wildbad Kreuth werde vor allem "eine einstimmige Solidaritätserklärung" der CSU für Stoiber kommen, sagte der Abgeordnete Hans Michelbach. Viel mehr verbietet sich angesichts der heiklen Lage. CSU-Landesgruppenchef Michael Glos sagte: "Es sieht auf den ersten Blick so aus, als ob alles auf Stoiber zuläuft." Viele CSU-Abgeordnete äußern die Meinung, Merkel habe mit ihrer Willenserklärung nicht nur den Preis für einen bereits beschlossenen Verzicht hochtreiben wollen. Sie wolle wirklich, heißt es. "Sie ist bekannt für ihre wahnsinnig starken Nerven." Der Chor ihrer Unterstützer in der CDU sei aber etwas schwach.

Nach Sozialausschüssen, Frauenunion und Junger Gruppe stellten sich Anfang der Woche auch der nordrhein-westfälische CDU-Landesgruppenchef Norbert Lammert und der CDU-Chef von Merkels Landesverband Brandenburg, Eckhardt Rehberg, hinter sie. Die CDU/CSU-Fraktion dagegen und politische Schwergewichte wie die Ministerpräsidenten Peter Müller (Saarland), Erwin Teufel (Baden-Württemberg), Bernhard Vogel (Thüringen) und Roland Koch (Hessen) sind für Stoiber.

Glos sagte: "Es ist überhaupt noch nicht klar, ob Frau Merkel verzichtet." Er erwarte von der CDU-Vorstandssitzung kommenden Freitag und Samstag in Magdeburg eine weitere Klärung. Die Schwesterpartei müsse vor allem die Wahlchancen bei den Unionsanhängern als Entscheidungskriterium vor Augen haben.

Wie groß Stoibers Vorsprung vor Merkel bei den Wählern wäre, erläuterte die Allensbacher Demoskopin Renate Köcher den Klausurteilnehmern in Kreuth noch einmal. Die Wahl werde in den Themen Wirtschaft, Arbeitslosigkeit, innere und äußere Sicherheit entschieden, sagte Glos. Hier sei "der erfolgreichste Ministerpräsident in Deutschland" genau der richtige Mann. Zudem könne er der Union Konkurrenz am rechten Rand vom Leibe halten. Der Hamburger rechtspopulistische Innensenator Ronald Schill hatte erklärt, bei einer Kandidatur Merkels werde seine Partei zur Bundestagswahl antreten, bei einer Kandidatur Stoibers nicht. Lammert verwies im NDR auf die Wechselwähler, die die Wahl entschieden und bei denen Merkel mehr holen könne.

Dezent wurden auch schon die Daumenschrauben erwähnt. Sollte Merkel auf ihrem Vorrecht als Vorsitzende der größeren Unionspartei beharren und sich mit Stoiber nicht einigen, könnte die Fraktion mit entscheiden, die den Kanzler schließlich wählen müsste. "Zu einer Kampfkandidatur kann es durchaus kommen", meint Glos. Auch CDU/CSU-Fraktionschef Friedrich Merz forderte die beiden Parteichefs zu einer Einigung auf, sonst könne eine Empfehlung der Fraktion nicht ausgeschlossen werden.