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Weitere Anschläge geplant

Von Markus Rapp

Politik

Neu-Delhi - Indien reagiert nach dem Anschlag auf das Amerika-Haus in Kalkutta mit stereotypen Vorwürfen an Pakistan. Doch die Terroristen tragen nicht nur den Kaschmirkonflikt ins indische Kernland, sondern gefährden mit der Wahl ihres Angriffsziels auch das Verhältnis Pakistan - USA.


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Dem Anschlag auf das US-Kulturzentrum könnten weitere folgen. In einem Bekenneranruf hätten die Urheber mit weiteren Attentaten in Delhi und im Unionsstaat Gujarat gedroht, erklärte ein Sprecher des indischen Innenministeriums. Ein wegen Entführung und anderer Verbrechen gesuchter Mann namens Farhan Malik habe sich von Dubai aus im Namen der Harkat-ul-Jihad Islamia zu der Bluttat bekannt.

Die in Indien wohlbekannte Harkat-ul-Jihad Islamia, eine aus Afghanistan-Veteranen und Söldnern aus anderen Ländern zusammengesetzte Truppe, hat unter Anleitung des pakistanischen Geheimdiensts ISI seit Beginn der 90er Jahre Kaschmir infiltriert. Sollte sie nach der jüngsten Umorientierung der pakistanischen Politik befürchten müssen, fallen gelassen zu werden, so hat sie sich nun jedenfalls in Erinnerung gerufen. Das Außenministerium in Islamabad ließ dazu verlauten: "Wie Sie wissen, hat Pakistan den Terrorismus in all seinen Erscheinungsformen verdammt." Höchst zweifelhaft bleibt jedoch, ob Pakistan noch in der Lage ist, die von ihm geschaffenen Terrorgruppen zu demobilisieren.

Anders als bisher zielt dieser Terrorakt nicht auf das indisch-pakistanische Verhältnis allein, sondern zieht die USA in den Kaschmirkonflikt hinein. Pakistans Militärmachthaber Pervez Musharraf könnte wegen seiner proamerikanischen Haltung noch mehr in Bedrängnis geraten, während die indisch-amerikanische Annäherung laufend Fortschritte macht.

Robert Mueller, Chef der amerikanischen Bundespolizei, und der Chef des militärischen Abwehrdienstes der USA, Thomas Wilson, halten sich derzeit zu Beratungen über die Zusammenarbeit bei der Terrorbekämpfung in Indien auf.