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Weltgrößter Stromkonzern entsteht

Von Harald Waiglein

Wirtschaft

E.On bietet 29,1 Milliarden Euro. | Neuer Konzern hätte über 50 | Millionen Kunden. | Endesa noch zurückhaltend. | Wien/Düsseldorf/Madrid. Es ist eine Übernahme, die wenn sie gelingt gleich mehrere Rekorde brechen würde. Deutschlands größtes Energieversorgungsunternehmen E.On will den größten spanischen Energiekonzern Endesa um 29,1 Mrd. Euro übernehmen.


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Es wäre die größte Übernahme eines Energieversorgers, die die Welt je gesehen hätte; und es entstünde daraus der größte Strom- und Gaskonzern der Welt.

Gemeinsam hätten E.On und Endesa mehr als 50 Millionen Kunden in mehr als 30 Ländern sowie 107.000 Mitarbeiter. Der Marktwert des neuen Unternehmens läge bei rund 100 Milliarden Euro.

Zum Vergleich: der derzeit größte europäische Stromkonzern Electricite de France (EdF) kommt derzeit auf einen Marktwert von 76 Mrd. Euro.

Bei einem Deal dieser Größenordnung haben freilich die Wettbewerbsbehörden noch ein Wörtchen mitzureden. Seitens der EU-Kommission heißt es, die geplante Übernahme sei noch nicht angemeldet. Sobald sie angemeldet werde, werde man sie auf jeden Fall sorgfältig prüfen. Die Kommission ist für die Prüfung von Übernahmen zuständig, wenn der gemeinsame Umsatz der betroffenen Unternehmen mehr als 5 Mrd. Euro beträgt.

E.On: Keine Probleme

Bei E.On rechnet man nicht damit, dass es Probleme mit der EU-Kommission geben könnte. Es gebe kaum Überlappungen im Angebot der beiden Energie-Unternehmen, heißt es. E.On-Chef Wulf Bernotat will durch die Übernahme mit seinem Unternehmen in die Märkte Südeuropas und Lateinamerikas einsteigen, wo der Energiebedarf rascher wächst als in Mitteleuropa. In den lateinamerikanischen Markt käme er über die Enersis, ein Tochterunternehmen der Endesa. Die Enersis ist mit ihren 11 Millionen Kunden der größte Energieversorger Lateinamerikas. Außerdem verfügt sie über Kraftwerke in Italien und Frankreich, wo E.On bisher kaum präsent ist.

Endesa berät noch

Bei der Endesa will man sich zum Übernahmeangebot noch nicht äußern. Spanische Medien zitierten allerdings Unternehmenskreise, die das Angebot als "nicht feindlich, aber auch nicht ausreichend" einstuften. Der Vorstand der Endesa wollte noch am Dienstagabend eingehend über das Offert der E.On beraten. Das Angebot der E.On liegt über jenem, dass der spanische Gasversorger Gas Natural im September für die Endesa gelegt hat.

Gas Natural hatte 22,5 Mrd. Euro für den Kauf des Unternehmens geboten. Die spanischen Wettbewerbsbehörden hatten sich in weiterer Folge gegen die Übernahme ausgesprochen, die spanische Regierung war hingegen dafür (siehe auch Analyse auf Seite 12). Analysten bezweifeln, dass Gas Natural das Angebot noch einmal erhöhen kann. Das Unternehmen habe nicht soviel Kapital, heißt es.

E.On auf Einkaufstour

Wegen der stark gestiegenen Energiepreise ist schon länger eine Konsolidierung bei den Strom- und Gasversorgern zu beobachten. Letztes Jahr gab es weltweit Übernahmen im Ausmaß von 236 Mrd. Dollar ein fast doppelt so hoher Wert wie im Jahr davor. Auch E.On hat in den letzten Jahren enorme Summen für Übernahmen und Zukäufe aufgewendet. Seit der Konzern im Jahr 2000 aus der Fusion der Unternehmen Veba und Viag entstand, hat er rund 85 Mrd. Euro für Akquisitionen ausgegeben. Mehr als 10 Mrd. Euro kostete dabei die Übernahme der Ruhrgas AG, des damals größten Gaskonzerns Deutschlands.

Die Transaktion gelang nur mit Hilfe einer Ministererlaubnis. Das deutsche Kartellamt war nämlich strikt gegen die Übernahme der Ruhrgas durch E.On.