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Weltsparsamkeitstag

Von Wolfgang Teller

Gastkommentare
Wolfgang Teller ist Geschäftsführer von Intrum Justitia, dem führenden Anbieter von Kreditmanagementlösungen in Europa und derzeit weltweit größten Inkassounternehmen. Foto: Intrum Justitia/Foto Wilke

Gedanken zum Weltspartag am 31. Oktober und zur Privatkonkursreform ab 1. November.


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Alle Jahre wieder ist - unabhängig der wirtschaftlichen Gesamtlage oder der Höhe der Banksparzinsen - am 31. Oktober Weltspartag. Dieser hat eine sehr lange Tradition. Begründer des Weltspartages war im Oktober 1924 die Weltvereinigung der Sparkassen auf dem 1. Internationalen Sparkassenkongress. Bei dieser Branchenzusammenkunft waren 29 Länder vertreten.

Mit dem Tag des Sparens wollten die Vertreter das Thema einmal im Jahr ins Bewusstsein der Menschen rücken und seine Bedeutung für den Einzelnen ebenso wie für die gesamte Volkswirtschaft bewusst machen.

An jedem Weltspartag werden von den heimischen Geldinstituten fleißig Werbegeschenke zum Zwecke der Sparerziehung für die nächste Generation von Bankkunden verteilt. Ob dies - bei den vorherrschend niedrigen Zinsen - genügt, um die Sparer in die Geldinstitute zu locken, steht freilich auf einem anderen Blatt.

Einiges hat sich in den vergangenen Jahren geändert. Anfangs hieß der Weltspartag "Weltsparsamkeitstag". Diese ursprüngliche Bezeichnung ist eigentlich eine sehr schöne, bedeutungsschwere Titulierung. Heuer hat der Weltspartag in Österreich allerdings eine besondere Bedeutung beziehungsweise ist er ungewollt um eine weitere Facette reicher geworden: Findet er doch heuer nur einen Tag vor dem Inkrafttreten der Novellierung des neuen Privatkonkursgesetzes in Österreich statt.

Die entscheidenden Neuerungen: Es gibt unter bestimmten Bedingungen keine Mindestquote mehr für die Schuldenregulierung und die Verfahrensdauer. Im Abschöpfungsverfahren wird das Verfahren auf fünf Jahre verkürzt.

Grundsätzlich ist es zu begrüßen, redlichen Schuldnern zu helfen und ihnen einen Neustart in absehbarer Zeit zu ermöglichen. Aber gut gemeint ist nicht immer gut: Es besteht die Gefahr, dass die Kreditaufnahme schwieriger und oder teurer wird. Irgendjemand muss ja den erwarteten - nicht unbeträchtlichen - Verlust zahlen. Hoffentlich nicht wieder die redlichen Zahler.

Viel wichtiger wäre es allerdings, dass die Menschen gar nicht erst in die Lage kommen, in Privatkonkurs gehen zu müssen. Das beginnt damit, dass man nicht über seine Verhältnisse lebt und stets pünktlich seine Rechnungen bezahlt. Insofern kommt dem Begriff "Weltsparsamkeitstag" eine besondere Bedeutung zu. Nur eine aufgeklärte Konsumgesellschaft, die weiß, wann sie wie viel ausgeben kann, ist die Voraussetzung dafür, dass es zu keinen Schieflagen in Bezug auf die finanzielle Situation kommt.

Die gesamte Inkassobranche bestreitet in Österreich 1,5 Millionen Fälle pro Jahr, bei denen nicht zeitgerecht bezahlt wird. Inkassobüros bekommen eine unbezahlte Rechnung frühestens nach drei bis vier Monaten, weil die Firmen vorher selbst versuchen, ihre Kunden zum Zahlen zu bewegen.

Unternehmen haben schlussendlich zwei Möglichkeiten, an ihr Geld zu kommen: eine direkte Klage über einen Anwalt oder die Übergabe an ein Inkassounternehmen. Aber, wie bereits erwähnt, im besten Fall sollte es gar nicht soweit kommen. Wie schon der der englische Staatsmann und Philosoph Sir Francis Bacon sagte: "Es gibt viele Wege, reich zu werden. Einer der besten ist die Sparsamkeit."